Elektronische Werkzeuge für den Übersetzer (Internet, Translation Memory, Terminologiemanagement)
17./18. März 2000
Diese Fortbildungsveranstaltung war einem Thema gewidmet, das für die meisten Übersetzer - ob selbstständig oder angestellt - aktuell wichtig ist, wie die große Resonanz zeigte. Die meisten Teilnehmer der mit insgesamt 37 Anmeldungen ausgebuchten Veranstaltung trafen bereits am Abend in dem Tagungshotel in Dortmund ein, wo nach der Begrüßung durch den Organisator Reiner Heard deutlich wurde, welchen Stellenwert der Bereich der computerunterstützten Übersetzung und Terminologieverwaltung hat. Obwohl der Wissensstand und die Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer auf diesem Gebiet sehr breit gestreut waren, gingen alle mit hohen Erwartungen in diese Tagung. So nahmen z.B. viele Angestellte von Übersetzungsabteilungen großer Firmen teil, von denen einige schon länger mit dem ganzen Spektrum dieser Systeme arbeiten. Andere Unternehmen hatten ihre Übersetzungsabteilungen zwar innerhalb der diversen deutschen Standorte vernetzt, bislang aber keine einheitlichen oder computergestützten Terminologieverwaltungssysteme eingesetzt. In der allgemeinen Diskussion wurde schnell klar, dass das Thema keineswegs emotionslos angegangen wurde - vor allem zum Internet gab es sehr kontroverse Meinungen.
Am Samstagmorgen begann das Tagungsprogramm mit einem Vortrag von Frau Prof. Uta Seewald-Heeg, Professorin für Computerlinguistik und Fachübersetzen an der Hochschule Anhalt (FH), Köthen. Diese Verbindung von technischem Wissen, linguistisch-wissenschaftlichen Ansätzen und der praktischen Übersetzerarbeit ermöglichte einen äußerst informativen Vortrag über die verschiedenen Systeme, die der Markt zur Zeit in den Bereichen der rechnergestützten Übersetzung und des Terminologiemanagements anbietet. So wurden in einem vollständigen Überblick die Systeme verschiedener Firmen in den Bereichen Textbausteine, vollautomatische Übersetzung, Terminologieverwaltung, Translation Memory und integrierte Übersetzung für die Sprachenpaare Englisch-Deutsch und Französisch-Deutsch vorgestellt und dann Unterschiede, Stärken und Schwächen dieser Systeme deutlich gemacht auf der Basis einer qualitativen Beurteilung der Ergebnisse unter streng wissenschaftlichen Kriterien. Frau Prof. Uta Seewald-Heeg erläuterte in ihrem trotz der trockenen Materie lebendigen und spannenden Vortrag äußerst kompetent die einzelnen Funktionen und erforderlichen Arbeitsschritte anhand der auf die Leinwand projizierten Arbeitsoberflächen, so dass auch der Neuling auf diesem Gebiet die praktische Anwendung sehr bildhaft vor Augen geführt bekam. Sie gab viele wertvolle Hinweise für die Praxis, so dass das ausgehändigte Material zu den einzelnen Punkten des Vortrags nur als Gerüst und Erinnerungsstütze dienen muss für diejenigen Übersetzer, die sich mit dem Gedanken der Anschaffung eines solchen Systems tragen. Ganz sicher bekamen alle Teilnehmer viele Kriterien an die Hand, die ihnen bei der Frage, ob es sich in ihrem speziellen Fall lohnt, solche unterstützenden System anzuwenden, weiterhelfen. Es sind neben der sprachlichen Kompetenz hier auch Benutzerfreundlichkeit und Kompatibilitätsaspekte berücksichtigt worden, der Umfang des Einarbeitungsaufwandes in das System und die Notwendigkeit und jeweilige Möglichkeit, sich das System an seine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Auch aktuelle Preisangaben fehlten nicht, um den Nutzenfaktor unter Kostenaspekten beurteilen zu können.
Diese sehr umfassenden Informationen nahmen mehr Raum ein als geplant, zumal während des Vortrags die Zuhörer nicht rein rezeptiv blieben, sondern durch ihre Beiträge die Diskussion mit Beispielen aus ihrer eigenen täglichen Erfahrung bereicherten. Dies wurde fortgeführt in Pausengesprächen, die durch eine kommunikative und angeregte Stimmung gekennzeichnet waren, die sich auch im Vortrag von Frau Janet Carter-Sigglow von der Zentralbibliothek Sprachendienst des Forschungszentrums Jülich fortsetzte. Auf lockere, humorvolle Art und mit viel britischem Understatement präsentierte die Referentin eine kurze Bestandsaufnahme des Internets und berichtete über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Internet als "Fundgrube für Übersetzer". Sie wollte und konnte dazu motivieren, selbst Recherchen zu versuchen, und machte deutlich, dass das Netz nicht als Pool fertig aufbereiteter Informationen anzusehen ist (wie z.B. auch dort bereitgestellte Wörterbücher mit Vorsicht zu genießen sind), sondern eine Wissensquelle darstellt, die wie eine große Bibliothek funktioniert. Man kann recherchieren und in vielen Berechen fündig werden, muss aber in der Lage sein, die Fundstellen zu bewerten, und für seinen spezifischen Zweck verarbeiten. Auch hier ist es wichtig zu wissen, mit welchen Mitteln man suchen kann und wo, so dass in dem nach dem Vortrag verteilten Handout neben Beispielen von wichtigen Adressen, die von allgemeinem Interesse sein können, auch einige Suchmaschinen und Glossare aufgeführt wurden, die helfen, gesuchte Informationen schneller und gezielter aufzuspüren. Sie warnte auch vor schlechtem Englisch im Netz (die englische Sprache dominiert zwar noch, aber das Netz stärkt auch den Gebrauch anderer Sprachen, die dort zunehmend mit Beiträgen präsent sind). So ist eine kritische Handhabung angebracht, auch wenn der Anspruch, nur Veröffentlichungen von wirklich fachlich und sprachlich kompetenter Seite berücksichtigen zu wollen, nicht immer bis ins letzte Detail zu erfüllen ist. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass die Güte des Internets von seinen Benutzern bestimmt wird und sich deshalb jeder aufgerufen fühlen sollte, seinen Beitrag zu leisten und eigene Erfahrungen und Wissen weiterzugeben.
Dies lässt sich auch auf diese Gasttagung übertragen, die durch das Zusammenspiel aller Beteiligten sehr nützlich und produktiv war und dazu motivierte, elektronische Werkzeuge dort zu integrieren, wo sie die Arbeit erleichtern können.
An dieser Stelle möchte ich den Referenten noch einmal herzlich danken und ebenso auch dem Veranstalter und Organisator für eine anregende Veranstaltung.
Susanne Goepfert
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