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    2010-01-22 Seitenmeister


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       7. Jahrestreffen des Réseau franco-allemand
     

    Bern, Oktober 2000

    Das Treffen vom 27. bis zum 29. Oktober 2000 in Bern war erstmalig vom Schweizer Verband ASTTI ausgerichtet worden. Am Freitagabend empfingen 32 Schweizer Kolleginnen und Kollegen ihre 31 Gäste aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Österreich zum Aperitif in der Kurierstube des Hotels Bern. Bis auf einen waren alle Teilnehmer aus der Schweiz zum ersten Mal mit dabei. Aber Kontaktfreudigkeit erwies sich wieder mal als eine international festzustellende Qualität des Berufsstandes.

    Am Samstag führte Herr Thomas Fallgatter als Moderator und "Zeitenrichter" durch die Veranstaltung, die mit einer offiziellen Begrüßung durch Frau Hannelore Lee-Janke, der Vorsitzenden des ASTTI, eröffnet wurde. Als "Eisbrecher" fungierte auch ein Schweizer Kollege, Herr Christoph Rüegger, der über seine Terminologiearbeit bei der Credit Suisse berichtete und die Zuhörer in Form eines Workshops in die Begriffe der Allfinanz einführte. Sehr schnell durfte er feststellen, dass es kein "Eis" zu brechen gab, sondern die Teilnehmer sofort mit Fragen und Beiträgen aktiv am Geschehen teilnahmen. Wer mehr über den Inhalt des Referats oder die spezielle Terminologie erfahren möchte, kann das unter den folgenden Internetadressen tun:

      www.astti.ch    (Glossar dort nicht mehr zugänglich / 2003-10-18)
      www.swissre.com    (mehrsprachige Dokumente)
      [Internetadressen überprüft/aktualisiert 2003-10-18]

    Dann sprach Annick Yaiche von ATICOM die Teilnehmer auf Gefühle und Charaktereigenschaften an. Sie hatte sich bei der Übersetzung mehrerer Bücher intensiv damit beschäftigt und hatte mehr Herausforderungen zu bieten, als ihr Zeit zur Verfügung stand. Als Beispiel soll dem interessierten Leser an dieser Stelle nur die Aufgabe gestellt werden, die Begriffe "deutsche Gründlichkeit, Leistungs­bereitschaft und konsequent sein" angemessen in eine andere Sprache zu übertragen.

    Es folgte Silvia Bruegelmann-Gaspard von der CBTIP, die wieder Neologismen vorstellte, die sie beim Studium von Zeitschriften gefunden hatte. Hier zeigte sich, wie breit gefächert das Fachwissen der Teilnehmer war. Bei mehreren Begriffen, die von Journalisten neu aufgegriffen worden waren, konnten Anwesende darlegen, in welchen Fachbereichen sie schon seit Jahren zum Fachvokabular gehörten. Für Interessierte folgende kleine Kostprobe aus dem Titel des Vortrags "Neologismen": von "aquazole" über "immotique" und "infogerance" bis "vehipole". Hätten Sie gewusst, was darunter zu verstehen ist?

    Nach dem Mittagessen wandte sich Herr Joao Esteves-Ferreira von der FIT mit der Bitte an die Teilnehmer, das Projekt seines Verbandes zu unterstützen, nämlich dem Übersetzer Werkzeuge für seine Arbeit, z. B. erarbeitete Terminologie, zur Verfügung zu stellen. Nähere Angaben sind zu finden unter http://fit-ift.org/termino oder .../ tools bzw. können per E-Mail an tools@fit-ift.org angefordert werden.

    Anschließend verteilte Christine Harris von der SFT Kopien von Werbebroschüren bzw. Beipackzetteln zu "pseudo"-medizinischen Produkten, deren Übersetzung ihr anvertraut worden war. Schon bald stellte sich heraus, dass die Übersetzer es hier nicht mit reiner Terminologie zu tun haben, sondern eine möglicherweise exis­tie­rende medizinische Fachsprache mit Verkaufspsychologie und Werbejargon eng verwoben wird, was - will der Sprachendienstleister eine brauchbaren Text abliefern - keine eigentliche Übersetzung mehr darstellt, sondern eine Lokalisierung der Produktinformation für einen nationalen Markt.

    Hierauf folgte Françoise Parc, die die Organisation und den Terminologiedienst der Schweizer Bundeskanzlei vorstellte. Aufgabe ihrer Dienststelle ist es, für das Bundesgebiet der Schweiz eine festgelegte Terminologie für alle in der Rechts­sprache vorkommenden Begriffe zu finden. In der Schweiz sind 17 Kantone rein deutschsprachig, 4 Kantone rein französischsprachig, ein Kanton rein italienisch­sprachig, 3 Kantone deutsch- und französisch­sprachig, 1 Kanton ist deutsch-, italienisch- und romanisch­sprachig. Es gibt also einen erheblichen Bedarf, verschie­dene Sprachen auf einander anzupassen. Terminologien, die für die Bedarfe der Schweiz als verbindlich festgelegt worden sind, werden für die öffentlichen Dienste in der Schweiz in TERMDAT gesammelt. Als vorläufige Lösung für Private kann die hier gesammelte Terminologie über EURODICAUTOM (http://europa.eu.int/eurodicautom/login.jsp) nachgeschlagen werden.

    Nach ihrer Ansprache über das, was auf Bundesebene geschah, folgte Frau Donatella Pulitano aus der Staatskanzlei des Kantons Bern, die über die termino­logischen Aktivitäten dieses zweisprachigen Kantons referierte. Sie stellte dabei die von ihr herausgegebene dreisprachige (de/fr/it) Sammlung von insgesamt 872 Fachwörtern vor, die Anfang 2001 unter dem Titel "New Public Management" erschienen ist (ISBN 3-258-06251-X, Preis € 29,90). Sie war es auch, die die Teilnehmer aus dem Tagungsraum zum Empfang in das Berner Rathaus führte, wo der Vizestaatsschreiber die Anwesenden mit einem Glas Wein aus örtlichem Anbau in der Stadt Bern willkommen hieß. Es gab eine kurze Ansprache zur Entwicklung dieser Funktion auf Kantonebene und einige Worte zur Geschichte des Rathauses.

    Viel Zeit blieb nicht, weil um 18.30 Uhr bereits ein Konzert mit dem Quartetto Soletta im Haus der Gesellschaft Diestelzwang auf dem Programm stand, einem aufwendig restaurierten Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, das sich in der von der Unesco zum Weltkulturerbe erhobenen Berner Altstadt befindet. Mit zwei Violinen, einer Bratsche und einem Cello spannten die vier Streicher einen musikalischen Bogen von Mozart über Gershwin zu Schubert, mit einem Tango und einem Walzer als Zugabe, die die Teilnehmer durch anhaltenden Applaus einforderten. Eine willkommene Entspannung nach dem arbeitsreichen Tag.

    Dann ging es zum Abendbuffet. Wie üblich entwickelten sich an den Tischen in kürzester Zeit lebhafte Gespräche und Diskussionen, die ständig zwischen der deutschen und französischen Sprache wechselten, und dem Bedürfnis nach sozialen Kontakten der Übersetzer und Übersetzerinnen wurde gründlich Genüge getan. Dem ASTTI als ausrichtendem Verband und dem großzügigen Sponsor im Hintergrund (wenn es ihn denn gegeben hat) sei an dieser Stelle im Namen aller Teilnehmer ein herzliches Dankeschön ausgesprochen, gepaart mit einem Extradank an die Kolle­ginnen und Kollegen, die an der Organisation maßgeblich beteiligt waren.

    Dank Patrick Bergen konnten die Teilnehmer am Sonntag eine Führung im Bundes­haus mitmachen. Wer diese Führung mitmachte, konnte nicht nur interessante Infor­mationen über das Gebäude erhalten, sondern auch die Verwendung der Sprachen im Schweizer Bundesparlament ausgiebig zur Kenntnis nehmen, während er/sie auf den Sitzen der Parlamentarier weilte. In der gesamten Bundesverwaltung arbeiten rund 160 Übersetzer in allen Sprachkombinationen, im Parlament sind es vier, die aus der deutschen in die französische Sprache übertragen und einer, der aus der französischen in die deutsche Sprache überträgt. Bei jeder Sitzung des Nationalrats sind sechs Simultandolmetscher anwesend. Übersetzungen sind fester Bestandteil des gesamten parlamentarischen Prozesses und des Gesetzgebungsverfahrens. Wer sich über die Aufgabe der Übersetzer bei der Schweizer Bundesverwaltung infor­mieren möchte, kann dies unter der folgenden Anschrift tun: http://www.parlement.ch/poly/Framesets/D/Frame-D.htm [Adresse nicht mehr gültig / 2003-10-18].

    Vor dem Bundeshaus wurden die Réseau-Teilnehmer von zwei Stadtführern/innen abgeholt, die sie zu einem Fußmarsch durch die historische Altstadt führten. Historische Daten sollen nicht Bestandteil dieses Berichts sein. Abgesehen von einer terminologischen Information: Das Wort "Zeitenrichter" steht in Bern als Berufsbezeichnung für die Person, die die Aufgabe hat, am Zeitglockenturm täglich die Uhr aufzuziehen. Wer Näheres erfahren möchte, dem sei ein persönlicher Besuch in Bern angeraten.

    Martin Bindhardt

    [Internetadressen überprüft/aktualisiert: 2003-10-18 / Seitenmeister@aticom.de]
     
    Bericht über das 16. Jahrestreffen in Winterthur, Oktober 2009

    Bericht über das 15. Jahrestreffen in Wien, Oktober 2008
    Bericht über das 14. Jahrestreffen in Nizza, Oktober 2007
    Bericht über das 13. Jahrestreffen in Brüssel, Oktober 2006
    Bericht über das 12. Jahrestreffen in Berlin, Oktober 2005
    Bericht über das 11. Jahrestreffen in Biel, Oktober 2004
    Bericht über das 10. Jahrestreffen in Avignon, Oktober 2003
    Bericht über das 9. Jahrestreffen in Brüssel, November 2002
    Bericht über das 8. Jahrestreffen in Münster, Oktober 2001