Bereits durchgeführte Veranstaltung
15.11.2003, Köln
ATICOM-Fachseminar
Rechtliche Aspekte der Berufsausübung
Nach kurzer Begrüßung durch Frau Marie-Noelle Buisson-Lange, die mit der Organisation des Seminars betraut war, hatten insgesamt elf Seminarteilnehmer Gelegenheit, Dr. Wolfram Velten kennen zu lernen. Er ist seit 8 Jahren als Rechtsanwalt in Hamburg tätig und übernimmt nicht nur für ATICOM, sondern auch für den ADÜ Nord die Rechtsberatung. Einige Übersetzer hatten bereits im Rahmen der telefonischen Rechtsberatung für ATICOM-Mitglieder Kontakt zu ihm. Im Laufe des Tages zeigte es sich, dass er über das notwendige Talent verfügte, um uns Übersetzern und Dolmetschern diese bisweilen etwas trockene Materie mit einem gehörigen Schuss juristischen Humors und auf allgemein verständliche Art nahe zu bringen.
Übersetzer und Dolmetscher zählen zu den klassischen freien Berufen und sind somit nach derzeit noch geltender Gesetzgebung nicht gewerbesteuerpflichtig. Die Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit ist lediglich dem Finanzamt zu melden. Bei überwiegender Weitergabe von Aufträgen – insbesondere in Sprachen, die der Übersetzer/Dolmetscher nicht selbst beherrscht – und/oder der Kopplung mit anderen Aufgabengebieten wie z.B. Büro- oder Schreibdiensten kann jedoch ggf. auf sämtliche Umsätze Gewerbesteuer anfallen. Die genaue Abgrenzung ist im Einzelfall schwierig und sollte mit dem Steuerberater geklärt werden.
Auch ohne Eintragung beim Handelsregister darf der Freiberufler einen schlagkräftigen Firmennamen führen. Hierbei gilt es zu beachten, dass dieser immer den Familiennamen und mindestens einen ausgeschriebenen Vornamen beinhalten muss (z.B. Maria Mustermann Übersetzungen).
Zum Thema Vertragsabschluss und -inhalt beantwortete Dr. Velten eine Vielzahl von Fragen. Die Dolmetscherleistung fällt in den Bereich des Dienstvertrages (§ 611ff BGB), die Übersetzerleistung in den des Werkvertrages (§ 631ff BGB). Gerade bei eiligen und/oder kleineren Aufträgen kommt es häufig vor, dass der Vertrag mündlich (telefonisch) geschlossen wird. Ein mündlicher Vertrag ist gültig, doch kann es bei dem Versuch der Durchsetzung von Forderungen zu Beweisproblemen kommen. Es bietet sich in diesem Zusammenhang an, die Bedingungen kurz schriftlich zu fixieren, dem Auftraggeber zu faxen und sich auf dem Fax durch Zeichnung bestätigen zu lassen. Kommt es beispielsweise zum Streit über die Höhe des Honorars, so ist nach § 632, 2 im Zweifel die "übliche Vergütung" anzusetzen. Hierbei ziehen die Richter häufig das Zeugen- und Sachverständigengesetz zu Rate; als "Ultima Ratio" wäre ein Sachverständigengutachten einzuholen.
Unbedingt geklärt werden sollte, wer Auftraggeber ist. Ruft ein Rechtsanwalt im Auftrage seines Mandanten einen Dolmetscher in die Justizvollzugsanstalt, so haftet er im Zweifel nicht für die Bonität/Zahlungswilligkeit des Dritten (seines Mandanten). Will der Dolmetscher das Risiko nicht tragen, muss er den Verteidiger darauf hinweisen, dass er den Auftrag nur dann übernimmt, wenn sich die Kanzlei für die Kosten verbürgt.
Häufig kommt es auch zu Einigungsmängeln: Ein typisches Beispiel hierfür ist der Auftrag, der als 5seitiges Dokument angekündigt wurde und sich als Text mit 15 Normseiten "entpuppt". Bei enger Terminierung handelt es sich u.U. um einen Wegfall der Geschäftsgrundlage, da beide Vertragsparteien von ganz unterschiedlichen Vertragsgegenständen ausgegangen sind. So lässt sich jedoch nur bei erheblich voneinander abweichenden Vorstellungen argumentieren, daher ist jedem Übersetzer zu raten, Aufträge erst nach Durchsicht des Ausgangstextes anzunehmen, die Rahmendaten eines Auftrages (Textart und -länge, Honorarhöhe, Lieferfrist) genau zu erfassen und nach Möglichkeit schriftlich zu fixieren.
Will der Übersetzer sich im Zweifel auf seine "Allgemeinen Auftragsbedingungen" beziehen, so muss er dem Auftraggeber in zumutbarer Weise bis zum Vertragsabschluss Gelegenheit geben, diese zur Kenntnis zu nehmen. Idealerweise sollte er sie mit dem Angebot übersenden und sich die Kenntnisnahme ggf. nochmals durch Gegenzeichnung bestätigen lassen. Ein Verweis auf die Homepage wird in den meisten Fällen nicht als "zumutbar" ausgelegt werden.
Es wurden Kopien eines Musters für allgemeine Auftragsbedingungen für Übersetzer verteilt, die der BDÜ seinen Mitgliedern empfiehlt, wobei Dr. Velten noch auf Möglichkeiten der näheren Ausgestaltung einging. (Siehe auch die Artikel unseres Mitglieds Martin Bindhardt zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Übersetzerleistungen, FORUM Februar 2001 und Juni 2001.)Die meisten Klauseln haben ohnehin lediglich deklaratorischen Charakter, gelten demnach auch ohne AGB. Ausschließen lässt sich durch die AGB die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit. Die Haftung für Schäden, die sich aus grober Fahrlässigkeit ergeben, kann nur einzelvertraglich ausgeschlossen werden, die Haftung für vorsätzlich herbeigeführte Schäden gar nicht.
Zu unterscheiden ist zwischen der Mängelgewährleistung, die im Rahmen des Werkvertrages mit einer 2jährigen Verjährungsfrist greift, und der Haftung für Schadenersatz, der bis 3 Jahre ab Kenntnis des Schadens geltend gemacht werden kann. Bei Mängeln hat der Übersetzer zunächst die Möglichkeit zur einmaligen Nachbesserung, bevor der Auftraggeber evtl. eine Preisminderung, eine eigenständige Nachbesserung oder sogar den Vertragsrücktritt fordern kann. Schadensersatzansprüche können hinzukommen, sind aber an ein Verschulden geknüpft. Ohne AGB haftet der Übersetzer für alle Verschuldensmaßstäbe, also auch für leichte Fahrlässigkeit. Die Frist für die absolute Verjährung von Schäden beträgt 30 .
Jeder Übersetzer sollte in diesem Zusammenhang die Frage der Notwendigkeit einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung prüfen. Soll der Vertrag auch eventuell noch nach Vertragsabschluss festgestellte Schäden decken, die aus Übersetzungen resultieren, die vor Vertragsabschluss gefertigt wurden, so ist dies mit der Versicherung gesondert zu vereinbaren. Nach Kündigung der Versicherung sind übrigens auch noch solche Schäden gedeckt, die zwar erst später zur Kenntnis genommen werden, sich aber aus Leistungen ergeben, die während der Vertragsbestandszeit erbracht wurden.
Bei der Durchsetzung von Ansprüchen ist zwischen Fälligkeit und Verzug zu unterscheiden. Fällig ist die Vergütung mit Lieferung bzw. Abnahme der Übersetzung (§ 641 BGB). In Verzug gerät der Schuldner erst, wenn er auf eine Mahnung des Gläubigers nicht leistet oder wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung leistet (§ 286 BGB). In der Mahnung sollte daher immer ein konkretes Zahlungsziel gesetzt werden: "Der Betrag ist zahlbar bis zum ......(, danach befinden Sie sich im Verzug)." Der Zeitpunkt des Verzugseintritts ist entscheidend für das Anfallen von Zinsen auf den geschuldeten Betrag und die Übernahme der Anwaltskosten, die erst nach Verzugsbeginn auf den Schuldner übertragen werden können.
Im weiteren Verlauf des Seminars erläuterte Dr. Velten die Mahn- und Vollstreckungsverfahren und stellte die hierbei anfallenden Kosten dar. Sollte es bei einer Forderung von EUR 1.200 zu einem Klageverfahren kommen, so kann dies u.U. EUR 605,00, im Falle der Beweisaufnahme sogar EUR 803,00 kosten (Sachverständigengutachten und/oder Zeugenentschädigungen sind noch nicht berücksichtigt).
Ist der Titel jedoch erst einmal erstritten, so bleibt er 30 Jahre lang gültig.
Die Zwangsvollstreckung kann der Gläubiger entweder selbst in die Hand nehmen oder einem Gerichtsvollzieher überlassen. Ist die Kontoverbindung des Schuldners bekannt, so kann beim Gericht ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beantragt werden. Diesen schickt das Gericht direkt an die Bank des Schuldners.
Dr. Velten erläuterte noch die Unterschiede der verschiedenen Rechtsformen der beruflichen Zusammenarbeit und verteilte Muster für einen Sozietätsvertrag sowie für einen Vertrag zur Bildung einer Bürogemeinschaft.
Letztes Thema waren die allseits gefürchteten Wettbewerbsverbote: Verlangt ein Vermittlungsbüro vom Übersetzer die Unterzeichnung einer Kundenschutzklausel, so darf die nachvertragliche Bindung maximal 2 Jahre betragen. Erhält der Übersetzer z.B. später das Angebot, direkt für den Auftraggeber zu arbeiten, so sollte er ggf. juristisch prüfen lassen, ob die Klausel wirklich wirksam ist und in welchem Fall. Es kommt beispielsweise vor, dass Bedingungen weit über das Zulässige hinaus gehen und somit zur Ungültigkeit des gesamten Wettbewerbsverbotes führen.
Fazit: Das Seminar hat uns sowohl einen fundierten Überblick über die rechtlichen Grundlagen der Berufsausübung vermittelt als auch eine Vielzahl spezieller Fragen geklärt. Ein wenig verwundert waren wir darüber, dass das Angebot nicht von Berufsanfängern wahrgenommen wurde. Obwohl das Thema während der letzten Jahresversammlung vorgeschlagen worden war, kann die Resonanz mit elf Teilnehmern nicht als überwältigend bezeichnet werden. Für uns hatte dies natürlich den Vorteil, dass Dr. Velten intensiv auf die vielen Detailfragen eingehen konnte. So kamen auch die "alten Hasen" voll auf ihre Kosten.
Susanna Lips
Bereits durchgeführte Veranstaltung
28.6.2003, Köln
ATICOM-Fachseminar
Translation-Memory-System Wordfast
Das Wordfast-Seminar im Hotel Euro Garden in Köln war angekündigt als eine Möglichkeit, mehr über die Software des berühmten Entwicklers, Yves Champollion, zu erfahren. Dreizehn überwiegend freiberufliche Kollegen aus ganz Deutschland (und sogar Belgien) nahmen die Gelegenheit wahr, den Mann und die Software näher kennenzulernen.
Mein persönliches Interesse an diesem Seminar war sehr groß, da ich zwar schon vor dem Seminarbesuch theoretisch von den Vorzügen von Wordfast überzeugt war, jedoch Schwierigkeiten mit der Handhabung des Programms hatte (trotz meiner Suche im informativen und umfangreichen Handbuch). Eine kurze Umfrage unter den Kollegen führte zu einem ähnlichen Ergebnis. Viele hatten die Software schon voller Erwartungen heruntergeladen, aber wenige konnten so richtig gut damit umgehen. Und fast alle, mit denen ich gesprochen habe, haben es irgendwann aufgegeben.
Auf Englisch und mit viel Charme demonstrierte Herr Champollion rasch die Grundlagen seines benutzerfreundlichen Systems und erläuterte die Grundbegriffe der computergestützten Übersetzung (CAT) wie z.B. Segmentierung, Translation Memory und Fuzzy Matches klar und präzise. Er demonstrierte das System mittels Bildschirmpräsentation und erweckte somit das Kniffelige aus dem Handbuch zum Leben. An praktischen Beispiele aus dem Übersetzungsalltag erklärte er Funktionen wie Kontextsuche, Konkordanzsuche und die ‚Büchse der Pandora' (Pandora's Box).
Yves Champollion entwickelte das System in den späten Neunziger Jahren als Alternative zu der damals enorm teueren Software des Marktführers TRADOS. Da er selbst technischer Übersetzer und auch Programmierer ist, beschloss er, sein eigenes benutzerfreundliches und schnell erlernbares Übersetzungswerkzeug zu entwickeln, das nichtsdestotrotz zu allen herkömmlichen CAT-Systemen kompatibel ist. Seine Philosophie von ‚Power-to-the-People' ist deutlich in Wordfast wiederzuerkennen. Das ständig weiterentwickelte System war lange kostenlos und erst seit Anfang dieses Jahres ist eine Lizenz für größere Jobs erforderlich. Seine Liebe zum Detail und sein offensichtlicher Enthusiasmus für seine Arbeit sind ansteckend.
Wordfast ist ein ‚junges' Produkt im Vergleich zu anderen Systemen und völlig in MS Word integriert. Die zwei wesentlichen Vorteile von Wordfast sind seine Größe und sein Preis. Das Programm ist im wesentlichen ein Word-Makro und als solches sehr klein und kompakt (Übersetzungs-Agenturen können Wordfast ihren Mitarbeitern per E-Mail senden und haben sie so schnell ausgestattet). Und dennoch kostet eine Vollversion nur ein Drittel der Freelancer-Version von Trados.
Wordfast arbeitet aus MS Word heraus, aber es können auch Excel, PowerPoint und HTML-Dateien übersetzt werden. Der Bildschirm wird nicht geteilt, sondern lediglich die Sätze hervorgehoben, die man gerade bearbeitet. Dies reduziert zum einen die Überanstrengung der Augen und zum anderen kann so kaum ein Satz übersehen werden, denn der gesamte Ausgangstext wird automatisch von Wordfast in Segmente unterteilt, für die man eine Eingabeaufforderung für die Übersetzung erhält.
Eine kleine, dezente Werkzeugleiste oben in der Symbolleiste von Word ist die einzige Erinnerung daran, dass man sich im Wordfast-Modus befindet. Weil das System ansonsten vollständig in Word integriert ist, kann man weiterhin alle Features wie Drag & Drop, Suchen & Ersetzen usw. wie gewohnt benutzen.
Das Programm enthält eine Funktion zur Qualitätskontrolle mit einer Rechtschreibprüfung. Bis zu drei Glossare (eigene oder von anderen Kollegen/Agenturen mitgelieferte) und zwei Wörterbücher können gleichzeitig in der Glossar-Funktion benutzt werden. Glossare aus anderen CAT-Systemen können auch importiert werden, und es ist sogar möglich, das Eurodicautom mit einzubinden. Mit Hilfe von Shortcuts kann man neue Begriffe zu seinen selbst hergestellten Glossaren hinzufügen. Die Glossar-Funktion überwacht auch die Genauigkeit von Typographie und Terminologie der Übersetzung. In der Praxis kann damit die Terminologie des Kunden ganz einfach in Wordfast eingegeben und im weiteren Verlauf der Übersetzung zur Gewährleistung der Terminologie-Kontinuität verwendet werden.
Besonders nützlich finde ich, dass eine provisorische Übersetzung mit F10 markiert werden kann. Bei einer späteren Textrevision springt Wordfast automatisch zu den lila markierten Problemstellen und man kann sie weiterbearbeiten. Übersetzern wird somit die lästige Suche nach fettgedruckten oder sonstwie gekennzeichneten Textpassagen erspart.
Eine weitere nützliche Eigenschaft: wenn der Rechner sich mal wieder aufhängt, ist der gerade bearbeitete Text insofern geschützt, als Wordfast die Übersetzung in jedem Segment laufend im ‚Translation Memory' speichert und man in kürzester Zeit mit der ‚Automatic Translation'-Funktion den Text wieder herstellen kann. so ist höchstens der Satz, an dem man zu allerletzt gearbeitet hat, verloren. Diese Funktion habe ich neulich bei einem sehr umfangreichen Job ausprobiert - als ein kleiner Nervenzusammenbruch drohte, rettete mich Wordfast tatsächlich.
Das allgemeine Interesse galt auch der Frage, ob man fertigübersetzte Texte aus dem eigenen Archiv in das Programm einspeisen könnte. Dies beantwortete Herr Champollion mit erfrischender Ehrlichkeit. Mit Hilfe von +TOOLS sei dies zwar möglich, wäre aber mit einiger Mühe verbunden und lohne sich nur ab einer 40%igen Wiederholung des bereits übersetzten Materials. Interessenten finden im Handbuch von +TOOLS eine Erklärung dieses ‚Text Alignment'-Prozesses.
Praktische Hinweise:
Informationen zu Wordfast sind unter www.wordfast.net zu finden. Eine Test-Version von Wordfast kann von dort in nur zwei Minuten heruntergeladen werden. Eine Registrierung entfernt die Einschränkungen der Demo-Version (ca. 500 Übersetzungseinheiten - also in der Regel 500 Sätze). Die Registrierung kostet zur Zeit Euro 180 und ist somit erschwinglich für den Einzelkämpfer. Im Vergleich hierzu kostet Trados etwa Euro 650. +TOOLS, ein Paket zusätzlicher Tools, mit dem man auch HTML-Dateien bearbeiten kann, bleibt für alle kostenlos.
Eine deutsche Version der Homepage ist vorhanden, auch ein deutsches Handbuch. Die Sprache der Benutzer-Oberfläche von Wordfast bleibt aber auf Englisch. Als ich neulich die deutsche Version des Handbuches herunterladen wollte, klappte dies von der obengenannten Webseite nicht, dafür aber auf der Homepage von www.transconsult.de. Die Homepage und natürlich das Produkt werden laufend nachgebessert. Es gibt eine Hotline auf der Homepage, die kostenlose Unterstützung für lizenzierte Benutzer bietet. Empfehlenswert ist außerdem die Wordfast-Mailingliste, in der auch Anfängern engagiert geholfen wird.
Fazit: Yves Champollion hat eine sehr informative Einführung in sein Produkt gegeben, dennoch hatte ich nicht das Gefühl, bei einer Werbeveranstaltung zu sein. Er beantwortete alle Fragen zum Wettbewerb mit entwaffnender Ehrlichkeit und präsentierte potenziell verwirrende (und langweilige) Inhalte mit Witz und Engagement. Es war eine Veranstaltung von einem Übersetzer für Übersetzer und der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe mich zu Hause mit neuem Elan an die schon ausrangierte Software gesetzt und freute mich zudem noch, eine so interessante Person kennengelernt zu haben.
Helen Nurse
Siehe auch den Bericht zum ATICOM-Fachseminar Wordfast für Fortgeschrittene vom Oktober 2004.
Bereits durchgeführte Veranstaltung
10.5.2003, Köln
ATICOM-Fachseminar Kundenbindung und Kundenpflege
Übersetzer/Dolmetscher und Verkäufer?
Seminarleitung Andreas W. Schiemenz
Unabhängigkeit, Mut, Spaß, Kreativität, Risikobereitschaft, Verantwortung, Flexibilität, Freiheit – dies alles ist maßgebend bei der Arbeit des freien Übersetzers und Dolmetschers, wichtig sicherlich auch die fachliche Kompetenz. Zu unserer Arbeit mit dem Kunden gehört darüber hinaus unser Wissen, wann unser Kunde welche Leistung benötigt, wie diese Leistung aussehen sollte. Erfüllen wir diese Voraussetzungen, so kommen der Kunde und wir zu einem positiven Erlebnis, womit das Ziel des Geschäfts erreicht ist.
In unserer Ausbildung haben wir das Übersetzen bzw. Dolmetschen gelernt, nicht aber das Verkaufen, das uns den Gewinn aus der Arbeit des Übersetzens/Dolmetschens bringt. Herr Schiemenz erklärte uns, was uns zum guten Verkäufer macht.
Wenn wir die grundlegenden Fragen erarbeitet haben (Warum ist der Kunde der König? Wer ist mein Kunde? Wo ist mein Kunde? Wer vergibt die Aufträge in der Firma des Kunden? Wie hoch ist der Umsatz meines Kunden? Wie kommt der Kunde zu mir, wie findet er mich? Wie zufrieden ist der Kunde? Wie geht es meinem Kunden, was für ein Typ ist er, welchen Wein trinkt er?), können wir zur KUNDENAUSWERTUNG schreiten.
Unsere Kunden teilen wir in A-, B- und C-Kunden ein. Üblicherweise verteilen sich 80 % des Jahresumsatzes auf 20 % der Kunden, die wir A-Kunden nennen, 15 % des Umsatzes auf 30 % (B-Kunden) und 5 % des Umsatzes auf 50 % der Kunden, die unsere C-Kunden sind. Wichtig sind alle Kunden, einige sollten jedoch von uns eine bessere Betreuung erfahren (A-Kunden), da sie uns den größeren Gewinn bringen. B- und C-Kunden dürfen jedoch keinesfalls vergessen werden, da immer die Möglichkeit besteht, dass sie irgendwann einmal in der Kategorisierung unserer Kunden eine höhere Stufe einnehmen.
Der Kunde erwartet nicht nur von mir, dass ich meine Sprachen beherrsche und dass ich in meinem Fachgebiet fit bin. Mit meiner Hilfe will er ein Kommunikationsziel erreichen (dies benötigt er um erfolgreich zu sein) und ich sollte seine Bedürfnisse erkennen und verstehen. Nur dann kann ich ihm einen guten Service bieten (dies beinhaltet auch Termintreue, Verlässlichkeit, Flexibilität). Auch ein gewisses Maß an Sympathie muss hier bestehen. Ganz wichtig sind Image und Corporate Identity!
Zu unserer Kommunikation mit dem Kunden im Alltag gehören Faxe, E-Mails, Briefe, Telefongespräche, Besuchstermine. All dies bildet unsere Werbung. Entscheidend für den Erfolg jedoch sind Emotionen. Bei der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen dem Kunden und mir sind zu 1/7 die Vernunft, zu 6/7 Gefühle maß- und ausschlaggebend. Die Sympathie zwischen zwei Geschäftspartnern gibt in der Regel den Ausschlag für eine Zusammenarbeit. Darauf können wir das so notwendige Vertrauen des Kunden in uns aufbauen.
Der schnellste Weg zum Interessenten ist die Telefon-Aquise, die nur bei Privatpersonen verboten, bei Geschäftsleuten jedoch erlaubt ist, denn es besteht entweder bereits eine Geschäftsbeziehung oder es bestehen konkrete Anhaltspunkte, dass ein Interesse an einer Dienstleistung vorhanden ist. Einen Gesprächsleitfaden sollten wir uns zuvor erarbeitet haben, der Begrüßung und ausgiebige Vorstellung, Aufhänger, Angebot (Information über mein Gesprächsziel), Vereinbarung und Zusammenfassung sowie eine freundliche Verabschiedung enthalten sollte.
Möglicherweise werden wir von einem Kunden angerufen und wollen von vornherein Vertrauen aufbauen. Bereits hier beginnt unser Service. Das Telefon sollte nach dem 2. oder 3. Klingeln abgehoben werden und wir stellen uns mit Name und Firma vor. Wir notieren den Namen des Gesprächspartners (evtl. lassen wir ihn uns buchstabieren) und sprechen ihn im Laufe des Gesprächs und ganz besonders zum Schluss mit seinem Namen an. Wir erfragen die Art unseres möglichen Auftrags und bekunden Kenntnis für das Spezialgebiet des Kunden. Falls wir in einer Sparte nicht kompetent sind, sollten wir den Auftrag an einen Kollegen weiterleiten, von dem wir wissen, dass er die Befähigung (Erfahrung) auf diesem Gebiet hat. Wir rufen den Kollegen an und fragen nach den Möglichkeiten, teilen dies dem Kunden anschließend mit.
In keiner Phase des Gesprächs wird der Schwierigkeitsgrad des Textes erwähnt, da der Kunde mit dem Text vertraut ist - der Text ist für ihn nicht schwierig! Trotzdem wird es vom Ausgangstext abhängen, wie hoch wir den Preis ansetzen; der Zieltext gibt uns die Zeilenanzahl. Möchte der Kunde den Preis der Übersetzung unbedingt wissen, bitten wir ihn um Zusendung am Vormittag und können am Nachmittag einen Pauschalpreis nennen. Wir vereinbaren einen bestimmten Zeitpunkt und melden uns genau zur vereinbarten Zeit.
Kurz vor Ende des Gesprächs fassen wir die Resultate kurz zusammen und geben eine verbindliche Bestätigung. Dadurch vermitteln wir Sicherheit, Seriosität und Garantie für eine gute Arbeit. Wichtig: Ein positives Gesprächsende hinterlässt ein gutes Gefühl!
Nun folgt der Brief danach. Das Angebot kann zwar per Telefon bereits gemacht werden, der Kunde bekommt aber auch eine schriftliche Information darüber. So hat er etwas in der Hand. Dadurch bestätigen wir unsere Professionalität, können unser Argumente (Empfehlungsschreiben zufriedener Kunden, Namen und Telefonnummern zufriedener Kunden, Belegexemplare, z. B. eine übersetzte Bedienungsanleitung) evtl. dazulegen.
Kommt es nicht zum Auftrag, müssen wir telefonisch nachfragen, denn immer gehen wir auf den Kunden zu und nicht umgekehrt. Durch das gezielte Nachfragen erhöhen wir unsere Auftragschancen, dürfen den Kunden dabei natürlich nicht drängen, nicht erstaunt oder enttäuscht reagieren, wenn der Auftrag nicht zustande kommt. Trotzdem müssen wir so lange nachfassen, bis wir den Auftrag haben oder er vergeben ist.
Wichtig ist auch die Vereinbarung des Wiedervorlagetermins, d. h. das Nachfassen, nachdem der Kunde unser Angebot erhalten hat. Dieser Termin sollte im Telefongespräch vereinbart werden und wir sollten diesen Termin vorschlagen und zum Termin anrufen.
Der häufigste Einwand für die Ablehnung eines Auftrags ist der zu hohe Preis. Der Kunde möchte uns damit verunsichern oder ist nicht von den Vorteilen unseres Angebots überzeugt. Wir stehen aber zu unserem Preis, lassen uns erklären, inwiefern wir zu teuer sind, bleiben immer freundlich und stellen unsere Qualität (Garantie) heraus. Wir wissen ja, dass wir nicht die "billigsten Anbieter" sind, womit wir auf die Qualität unserer Arbeit hinweisen und uns gern mit der Konkurrenz vergleichen lassen. Wir bestechen durch fachliche Qualifikation und Erfahrung, möglicherweise durch Zusatzleistungen. Erhalten wir den Auftrag nicht, sollten wir die Gründe vorsichtig erfragen. Dadurch zeigen wir unser Interesse an einer Zusammenarbeit und erhöhen die Glaubwürdigkeit als kompetenter Dienstleister.
Haben wir den Auftrag jedoch erhalten und die Übersetzung getätigt, rufen wir nach dem Versand beim Kunden an, fragen nach seiner Zufriedenheit und bieten Zusatzleistungen an, wie etwa die Unterstützung der Druckerei beim Umbruch oder den Bildunterschriften. Erst danach können wir eine "freundliche Rechnung" schreiben, in der eine Frist von 8 Tagen ab Rechnungsstellung bzw. das Datum für die Überweisung eingetragen sein sollte, die wir mit freundlichen Grüßen unterschreiben und mit der wir um die Überweisung bitten.
Auch zwischen den Aufträgen soll unser Kunde uns nicht vergessen. Weihnachtsgrüße eignen sich hervorragend dazu (nicht nach dem 6. Dezember verschicken, da unsere Karte sonst in der üblichen Weihnachtspost untergeht; eventuell verschicken wir sogar Ende November kleine Adventskalender als Werbematerial), aber auch eine Nikolauskarte, ein fröhlicher Ostergruß oder Geburtstagsglückwünsche. In größeren Firmen bekommt jeder an Telefon- bzw. anderen Gesprächen Beteiligte seinen eigenen Gruß. Nach einem Urlaub melden wir uns gut erholt und mit viel Arbeitseifer zurück.
Eine Beschwerde über einen unbefriedigt ausgeführten Auftrag kann zu einem Neuauftrag führen. Denn jede Beschwerde ist auch ein Hilferuf zur weiteren Zusammenarbeit. Jedenfalls ist die Beschwerde des Kunden immer berechtigt (Der Kunde hat immer Recht!), denn er hat eine Leistung erhalten, die seinen Erwartungen nicht entspricht. Er hat damit das Recht auf Wandlung (z. B. Überarbeitung des Textes und Beseitigung der Fehler), Minderung (Preisnachlass z. B. im Falle eines schlechten Dolmetscheinsatzes) oder Schadenersatz. Möglicherweise hat der Kunde sich den Text hinsichtlich der Formatierung anders vorgestellt. Dies können wir nacharbeiten.
Vielleicht fühlt sich der Kunde auch schlecht betreut, da wir uns nach dem Versand des Auftrags nicht mehr bei ihm gemeldet, nur die Rechnung zugesandt haben. Dadurch hatte er keine Möglichkeit, seiner Zufriedenheit oder seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.
Gleichgültig aus welchem Grunde der Kunde unzufrieden ist, wir müssen darauf reagieren, nie jedoch dem Kunden widersprechen! Sind wir durch seinen Anruf, seine Reaktion auf eine seiner Meinung nach schlechte Leistung aus dem Konzept geworfen, bitten wir, in 10 Minuten zurückrufen zu dürfen. In dieser Zeit nehmen wir uns den kritisierten Text erneut vor und können dann unsererseits auf seinen Unmut leichter reagieren: durch unsere Bereitschaft nachzubessern, durch Begründung unserer Wahl für einen gewissen Fachbegriff u. a. Der Kunde muss das Gefühl bekommen, mit seiner Kritik ernst genommen worden zu sein und Nachbesserung bzw. Erläuterung zu erfahren, denn der Kunde ist der König.
Herr Schiemenz ist im Laufe des Seminars auf unsere speziellen Fragen und Probleme eingegangen und hat individuelle Ratschläge gegeben. Nach Sichtung unserer Visitenkarten z. B. machte er Vorschläge zu deren effektiverer Gestaltung. Auch andere praktische Beispiele, die im Vortrag erwähnt wurden, werden uns in Zukunft beim Kontakt mit dem Kunden weiterhelfen.
Sicher spreche ich im Namen aller Seminarteilnehmer, wenn ich behaupte, dass uns dieses Fachseminar viele neue Anregungen zum Umgang mit unseren Kunden gegeben hat. Ganz wichtig ist auch die Erkenntnis, dass wir als Freiberufler tatsächlich gute Verkäufer sein müssen, wenn wir unserem Kunden eine gute Übersetzung oder gute Dolmetschleistung verkaufen möchten.
Madeleine Mihajlovic
Bereits durchgeführte Veranstaltung
23.-25.5.2003, Goslar
Anglophoner Tag 2003
Terminologie und Praxis
Was ÜbersetzerInnen für ihre tägliche Arbeit brauchen
Gastgeberorganisation des diesjährigen Anglophonen Tags in Goslar war der Deutsche Terminologie-Tag e.V.
Zum Auftakt gab es am Freitagabend ein gemeinsames Abendessen in geselliger Runde im St. Jakobushaus. Sowohl die Fachwerkstadt Goslar, wo man den Eindruck bekommen kann, dass die Uhren hier etwas langsamer gehen, als auch das altehrwürdige Ambiente des St. Jakobushauses waren hervorragend geeignet, um für ein Wochenende einmal das teilweise doch recht hektische Tagesgeschäft der Übersetzer hinter sich zu lassen.
Am Samstag wurden die Teilnehmer – in diesem Jahr leider nur 20 – zunächst von John D. Graham (1. stellv. Vors. des DTT), der die Veranstaltung organisiert hatte, und Jutta Zeumer (1. Vors. des DTT) sowie von Anja Casties-Bergfeld (1. Vors. des BDÜ LV Bremen und Niedersachsen) begrüßt. Es folgte das Referat von Jutta Zeumer über Terminologiearbeit und die Funktion des DTT verbunden mit einem Aufruf zum terminologischen Networking.
Anschließend sprach Reiner Heard von ATICOM über die Terminologiearbeit in der Praxis am Beispiel der Terminologie der Energieindustrie. Bei dem dargestellten Projekt wird die Terminologie mit MultiTerm verwaltet und die Übersetzer, die Terminologie recherchieren, können anhand einer Zahlenbewertung von 0-5 sehen, wie zuverlässig der jeweilige Terminus anhand von Quellen belegt ist. Es wurden auch Referenzen für internationale Glossare und Terminologieprojekte aus diesem Bereich gegeben, nur leider wurde auch deutlich, dass diese internationalen terminologischen Aktivitäten aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung eingestellt werden mussten.
Der anschließende Vortrag von John D. Graham beschäftigte sich mit dem Thema "Allerlei Terminologie – Wozu soll sie gut sein?" Es ging darum, dass Verständigung nur dann funktionieren kann, wenn alle an der Kommunikation Beteiligten die verwendete Terminologie verstehen, das heißt, wenn alle Kommunikationskomponenten richtig gedeutet werden. Zu diesen Komponenten gehören auch Fachtermini.
John D. Graham stellte anhand von Beispielen aus der Industrie (Normteile, Zukaufteile, Teile aus eigener Herstellung) dar, wie Benennungssysteme entstehen. Er ging des Weiteren auf die Ansätze der EU ein, Terminologie EU-weit zu regeln und zu vereinheitlichen. So werden neue, von der EU erfundene Termini eingesetzt, um zu vermeiden, dass der EU-Terminus mit dem nationalen Terminus verwechselt wird (z.B. "Vermögensgegenstände" anstelle von "Aktiva") - selbst wenn sie inhaltlich absolut identisch sind.
Und als Ausblick in die Zukunft wurde als methodischer Ansatz das EU-Projekt TermImage angeführt, das die moderne Terminologiearbeit als Teil einer konsequenten Terminologiepolitik ein wichtiges Werkzeug für Informationsmanagement in der modernen multimedialen Geschäftswelt darstellt. Durch die Einbeziehung von visualisierten und multimedialen Elementen und die Anbindung an Systeme wie z.B. CAD, steht ein Informationsgebilde zur Verfügung, das schnell, relativ preiswert und sehr genau die notwendigen Auskünfte zur Verfügung stellt. Softwareprogramme für animierte und bewegte Darstellungen erlauben z.B. eine graphische Präsentation der Wirkungsweise eines Gerätes, wobei langwierige und schwer verständliche Erklärungen vermieden werden können.
Noch vor dem Mittagessen stand ein recht kurzweiliges Referat über "Denglisch" von Dr. Gerd Schrammen vom VDS, dem Verein für die deutsche Sprache, auf dem Programm. Dr. Schrammen kritisierte die allzu bereitwillige Übernahme von Wörtern aus der englischen in die deutsche Sprache und nannte viele Beispiele, zu denen er als Alternative die deutschen Wörter nannte, die naheliegend gewesen wären, sich jedoch nicht hatten durchsetzen können. In diesem Zusammenhang ging es auch um übergreifende Aspekte, wie beispielsweise die Werbung, die sich gerne der englischen Sprache bedient, um Produkte mit einer bestimmten Aura zu umgeben, oder dass Personen englische Wörter verwenden, um ihre Sprache damit vermeintlich aufzuwerten. Herr Graham führte hier das sehr passende Zitat einer deutschen Ministerpräsidentin an, die da sagte, was heute zähle, sei nicht Leistung, sondern Performance.
Es folgte ein weiterer Vortrag von John D. Graham über das Thema "Words around the world. A light-hearted look at modern universal terms." Es ging um Termini, die in verschiedenen Sprachen eine universelle Bedeutung haben und um Lehnwörter, sowie um die Entwicklung, die die Termini in den unterschiedlichen Sprachen erfahren. Die Teilnehmer konnten hier natürlich aus ihrer täglichen Praxis auch viel Interessantes beitragen.
Bei der abschließenden Diskussion ging es in erster Linie darum, wie die einzelnen, meist freiberuflichen Kollegen, die Terminologiearbeit in ihre tägliche Routine integrieren. Dabei zeigte sich, dass dieses sehr unterschiedlich gehandhabt wird, d.h. von der einfachen Excel-Tabelle über die "selbstgebastelte" Datenbank bis hin zum Einsatz von Terminologieverwaltungsprogrammen, wie beispielsweise MultiTerm. Es bleibt das Fazit, dass eine gewissenhafte Terminologiearbeit zwar sehr aufwendig ist – insbesondere unter Termindruck –, jedoch für die Übersetzer eine lohnende Investition in die Zukunft darstellt.
Am Abend trafen sich die Teilnehmer in einem Restaurant in der Goslarer Altstadt und konnten bei schönstem Wetter draußen sitzend vorhandene Kontakte auffrischen und neue knüpfen.
Am Sonntagmorgen gab es zum Abschluss eine Führung durch die historische Goslarer Altstadt, die übrigens zusammen mit dem Besucherbergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.
Der nächste Anglophone Tag ist für den 29./30.5.2004 in Cambridge geplant.
Petra Berghöfer
Bereits durchgeführte Veranstaltung
16.11.2002, Düsseldorf
ATICOM-Fachseminar
Professionelles Arbeiten als Dolmetscher/Übersetzer für Gericht, Polizei, Notare, Rechtsanwälte, Standesämter
Was sind MOD's? Wann verjährt mein Anspruch gegenüber den Gerichten für erbrachte Leistungen? Wie erfahre ich den offiziellen Wortlaut von Landesbezeichnungen? Wie übersetze ich die leidigen Berufsbezeichnungen? Wer bezahlt meinen Einsatz bei Besuchsüberwachungen im Gefängnis? Und viele Fragen mehr wurden anlässlich des obigen Fachseminars behandelt, das Dragoslava Gradincevic-Savic mal wieder mit großem Sachverstand, mit Witz und gespickt mit zahlreichen hilfreichen Tipps geleitet hat. Von ihrer hohen Professionalität, ihrer langjährigen Erfahrung und Zähigkeit bei der Durchsetzung ihrer und auch unserer Interessen profitierten alle Teilnehmer: die jungen Berufsanfänger ebenso wie die Seiteneinsteiger, aber auch die grau melierten "alten Hasen".
Wie man die "allgemeine Beeidigung", um bei Gericht zu dolmetschen oder die "Ermächtigung zur Bescheinigung der Richtigkeit und Vollständigkeit von Übersetzungen" erlangt, erfährt man in einem beim für den Wohnort zuständigen OLG (bei Übersetzern) oder LG (bei Dolmetschern) anzufordernden Merkblatt. Als Voraussetzung sollte man eine "persönliche und fachliche Eignung" nachweisen. Bei so unverbindlichen Kriterien, kommt als Begründung für eine etwaige Ablehnung ja so ziemlich alles in Frage. Ob man nun einen Diplomabschluss besitzt, oder nach einer Prüfung vor der IHK den Titel eines Übersetzers "mit staatlicher Anerkennung" erworben hat - diese Differenzierungen verraten, dass die Qualifikationsabstufungen wenig übersichtlich sind. Wir erfuhren, dass eine vom OLG Köln erteilte "Ermächtigung" nur eine Halbwertzeit von 5 Jahren hat, vom OLG Hamm z.B. ist eine Befristung bislang nicht bekannt. Allerdings wäre es nicht verwunderlich, wenn dies, - warum nicht gar schon mit jährlicher Erneuerung - , bald auch von anderen OLG's als neue Geldquelle entdeckt würde, kostet der Spaß den Antragsteller auf Ermächtigung beim Präsidenten des zuständigen OLG's bzw. beim Präsidenten des zuständigen LG's doch mittlerweile 50 €. - Besprochen wurden im Verlauf des Seminars alle Details, die bei der Anfertigung von Übersetzungen, deren Richtigkeit usw. bescheinigt werden soll, zu berücksichtigen sind. Z. B. ist ratsam anzugeben, ob der Ausgangstext im Original oder in Kopie vorgelegen hat. Zu Beginn der Übersetzung sollte angegeben werden "Übersetzung aus der x Sprache". Um Fälschungen vorzubeugen, regte Dragoslava Gradincevic-Savic an, am Seitenende als Fußnote jeweils seinen eigenen Namen mit Adresse anzufügen. Auffälligkeiten oder Ungereimtheiten im Ausgangstext sollten mit einer Anmerkung des Übersetzers ebenfalls in einer Fussnote kenntlich gemacht werden. Bei dem Problem, die kyrillische in die lateinische oder arabische in die lateinische Schrift zu transliterieren, wurde auf die ISO Norm verwiesen, die beim Beuth Verlag in Berlin bestellt werden kann.
Ein sehr wichtiger Hinweis war sicher der, dass die im Ausgangstext genannten Berufsbezeichnungen nicht mit "heimischen" analogen Berufsbezeichnungen wiedergegeben werden dürfen, da der Übersetzer in einem solchen Fall die Beurteilung einer inhaltlichen /fachlichen Gleichstellung vorwegnehmen würde (Präjudiz), über die das Amt und nicht wir zu entscheiden hat. Als selbstverständlich sollte gelten, dass Urkunden ohne Abänderungen immer vollständig, einschließlich Stempel usw. zu übersetzen sind und das Layout so weit wie möglich dem Original anzupassen ist. Draga gab etliche nützliche Tipps z. B. zu ihrem persönlichen "Klammersystem" beim Verbinden mehrerer Seiten einer Übersetzung oder zur Suche nach den offiziellen Landesbezeichnung (www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/Verzeichnis/index_html), zu Preisen, Stempelinhalt oder zu den strafrechtlichen Folgen des Ermächtigten im Falle von Pflichtverletzungen, usw. - Vielleicht an dieser Stelle nochmals erwähnenswert: Trotz gängiger Praxis sind Übersetzungen von Urkunden oder Gerichtsakten, die lediglich den Absenderstempel eines Büros tragen und damit eine "Beglaubigung" simulieren, keine gültigen "beglaubigten" Übersetzungen!
Wer bei der Polizei oder im Auftrag der Justizbehörden in NRW dolmetscht, sollte allgemein beeidigt sein. Wir wissen, dass die Praxis eine andere ist! Welche Folgen es nach sich zieht, wenn nicht professionelle Dolmetscher bei Polizeivernehmungen am Werk sind, belegt eine Studie der GHS Essen (Empirische Polizeiforschung, Bereich Kommunikationswissenschaft): Einflussnahme, eigenmächtiges Handeln dieser sog. Dolmetscher entstellen die Fakten. Aber seit die Bezahlung auf der Grundlage des ZSEG für die Polizei zu teuer geworden ist und es nur noch einen "Ersatz für Verdienstausfall" nach 3 Sprachgruppen gegliedert gibt (wenigstens bei einigen Polizeidienststellen mit Zuschlag von bis zu 40% für den Berufsdolmetscher mit Büro und Schreibkraft!), ist der Job für Profis ja auch weniger attraktiv und geradezu eine Einladung an Pizzabäcker und Pita-Verkäufer - sorry!
Aber wie wir hören, ermöglicht es § 13 ZSEG, abweichend von den eigentlichen Bestimmungen des Polizeigesetzes NW, mit den Sätzen unterhalb des ZSEGs zu bleiben. Das ZSEG seitens der Polizei zu unterlaufen ist also völlig legal.
Für die Heranziehung seitens der Polizeibehörden kann man sich in die Zentraldatei des LKA in NW (Völklinger Str. 49, Düsseldorf) eintragen lassen. Sich den "Dumping-Preis-Pools" anzuschließen, kann man sicher nicht guten Gewissens empfehlen.
Damit es den Dolmetscher beim telefonischen Auftrag für einen Dolmetscheinsatz für die Polizei nicht ganz unvorbereitet trifft, sollte er sich vorher nach der Dauer, dem Sachgebiet, der Sprache, der Zielperson (dolmetschen für den Täter, das Opfer, den Zeugen kann unterschiednlich großen psychischen Druck bedeuten) und seiner Herkunft (Dialekt !) erkundigen.
Dolmetschleistungen sind auch bei sog. TÜ's (Telefonüberwachungen - hier ev. auch zur Nachtzeit!), die auf MOD's (magneto-optischen Datenträgern) gespeichert werden, erforderlich oder bei Besuchsüberwachungen von Untersuchungshäftlingen im Gefängnis. Die Kosten für diese Einsätze im Gefängnis gehen zu Lasten des Staates und sind nicht von den Angehörigen des Insassen zu tragen! Allerdings muß der Dolmetscher auf der Besuchserlaubnis angeführt werden. Ein eisernes Gebot gilt für alle Dolmetscheinsätze vor Gericht, im Knast oder bei der Polizei: zu viel Nähe und jeder Anschein von möglicher parteilicher Einvernahme ist zu vermeiden (Fraternisierung!).
Was die Bezahlung der Dolmetschleistungen betrifft, so gilt noch immer das ZSEG von 1994, auf dessen Reformierung wir bis heute noch warten. Die Stunden werden derzeit noch mit Sätzen von 25 bis 52 € entschädigt und der Berufsdolmetscherzuschlag bis zu 50 % steht dem zu, der mindestens 70% seines beruflichen Einkommens durch gerichtliche oder außergerichtliche Dolmetscheinsätze erzielt. Vorliegende einschlägige Gerichtsurteile sind zur Durchsetzung der Ansprüche hilfreich. Sollte der Entwurf des reformierten ZSEG, nach dem nur noch 3 Honorargruppen und der Wegfall des Zuschlags vorgesehen sind, verabschiedet werden, würden Dolmetscher und Übersetzer allerdings nicht unbedingt schlechter dastehen. Ein unterstes Zeilenhonorar von geplanten 1,50 € ist derzeit oft gar nicht so einfach durchzusetzen. In Anbetracht der allgemeinen Kassenlage ist jedoch eher fraglich, wann das neue Gesetz kommt. Bis dahin ist nur jedem zu raten, seine offenen Forderungen gegenüber den Justizbehörden geltend zu machen, denn nach 3 vollen Jahren verjährt der Anspruch. Nach dem Entwurf des reformierten ZSEG soll in Zukunft schon nach 3 Monaten Verjährung eintreten.
Viele Einzelheiten, Berichte aus der Praxis, Adressen, Anregungen, Urteile, Literatur, Referenzen zu Gerichtsurteilen und vieles mehr ergänzten die spannende Zusammenkunft und belebten die Gesprächsrunde.
Wissen ist bekanntlich Macht: Der Besuch dieses Fachseminars war wichtig, um über unsere Rechte informiert zu sein und zu bleiben, handfeste Argumente zu erfahren, mit denen unsere Forderungen begründet werden können, Erfahrungen auszutauschen und immer wieder ermahnt zu werden, seinem eigenen professionellen Anspruch gerecht zu werden. Im Falle einer Wiederholung kann nur jedem der Besuch empfohlen werden!
Einen herzlichen Dank an Draga, die das Seminar ermöglichete und der für ihren unermüdlichen Einsatz , ihre hohe Kompetenz und freundliche Hilfsbereitschaft ein großes Lob gebührt!
Waltraud Allgeier
Hinweis: Dieses Seminar wird in der 2. Jahreshälfte 2004 erneut durchgeführt. Bitte beachten Sie die Ankündigung in unserem Veranstaltungskalender.
Bereits durchgeführte Veranstaltung
28./29.6.2002, Neukirchen-Vluyn
ATICOM-Fachseminar
HTML-Programmierung
Am 28. und 29. Juni fand es endlich statt, das lang erwartete Seminar zum Thema Internet. Hoffentlich hat sich niemand von dem Wort "Programmierung" abschrecken lassen, denn auch die vier Teilnehmerinnen waren keine Technikfreaks und fanden in dem Seminar, was sie erwartet hatten: Einen Blick hinter die Kulissen der farbigen Webseiten-Welt und eine Anleitung, mit welchen Mitteln und Werkzeugen sie erzeugt und bearbeitet werden können.
In dem schon aus dem Excel-Seminar bewährten Rahmen, in dem sich die Teilnehmer gastfreundlich aufgenommen fühlten, machten wir uns in entspannter Atmosphäre mit der Bearbeitung von webfähigen Seiten vertraut. Um es vorwegzunehmen: Es war spannend und der Stoff wurde nie trocken oder langweilig, denn jeder Schritt wurde gleich am eigenen PC nachvollzogen! Aufkommende Fragen hat der Referent direkt beantwortet, entstehende Probleme wurden umgehend "vor Ort" gelöst.
Befehle ähnlich denen, die mancher noch aus MS-DOS Zeiten kennt, bildeten den Schwerpunkt der ersten Lernstunden. Sogenannte "Tags" dienen dazu, auf der Seite Formatierungen, Schriften, Tabellen, Farben etc. entstehen zu lassen, oder Elemente wie z.B. eine Graphik oder gar ein animiertes GIF einzufügen. Wer sich über die vielen Möglichkeiten Informationen besorgen möchte, kann in der umfangreichen Stichwortsammlung unter self.html im Internet Erklärungen und Anleitungen zur Programmierung der einzelnen Elemente finden.
Nach der Pflicht kam am zweiten Tag die Kür mit dem Entwurf einer eigenen Homepage unter Einhaltung der wichtigsten Anforderungen: Die Seiten sollten keine Sackgassen enthalten, sondern Links, mit denen man zumindest immer wieder zur Startseite zurückkommt. Hyperlinks zu anderen Homepages sollten so gestaltet sein, dass sie ein eigenes Fenster öffnen, damit der Interessent zurück zu unserer Website geleitet wird. Auch galt es, die wichtigsten Faktoren für die optische Gestaltung einer Seite zu beachten: Optimale Platzierung des Firmenlogos, der Menüleiste, der Kontaktdaten. Nicht zu viel Informationen auf einmal, denn das Wichtigste muss auf einen Blick erfassbar sein: Also eine kurze Seite, damit kein Scrollen erforderlich ist, und nicht zu aufwändige Bilder und Graphiken, damit das Laden nicht zu lange dauert. So schnell wie wir bei unseren Recherchen im Internet die gewünschten Informationen griffbereit - auf einen Blick und Klick - finden wollen, sollte sich auch ein potentieller Auftraggeber über uns informieren können!
Da wir alle einen Hyperlink zur ATICOM-Seite einbauen wollten, haben wir natürlich nicht nur die ATICOM-Seite aufgerufen, sondern uns auch den Quelltext angeschaut und gesehen, wie viel Arbeit der Seitenmeister in die Programmierung gesteckt hat. Auch wenn unsere eigene Homepage weniger ehrgeizig ausfallen wird, ist es wichtig, dass sie ausgewählte Metatags enthält, über die sie in den Suchmaschinen erscheint. Kostenlose Einträge in Suchmaschinen werden übrigens auch im Internet angeboten.
An der umfangreichen Aufgabenstellung im Rahmen unserer Kür durften wir mit Hilfe der vorgefertigten Programmierungs-Software von FrontPage arbeiten. Die Handhabung war einfach, auf der Oberfläche sozusagen tägliches Brot aus dem Word-Programm. Die Programmierung des HTML-Quelltextes erfolgte hinter den Kulissen automatisch, wenn auch nicht immer ganz auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten, denn FrontPage ist ganz auf Microsoft-Produkte ausgerichtet und nicht alle Browser verstehen die Befehle in gleicher Form. Dadurch besteht die Gefahr, dass mit FrontPage bearbeitete Seiten mit veränderten Formaten oder Farben im Internet dargestellt werden (so dass z.B. die Idee der Corporate Identity unterlaufen wird) oder z.B. Umlaute als geheimnisvolle Zeichenkombinationen in dadurch gänzlich verfremdeten Wörtern erscheinen - wer hat sich nicht schon mal über solche "Hieroglyphen" gewundert! Deshalb bietet es sich an, mit anderen Tools zu arbeiten, z.B. "Phase 5", einem HTML-Editor, den man kostenlos aus dem Internet herunterladen kann. Für Profis ist "dreamweaver" das (teure) Tool der Wahl, und für Bilder bietet sich "coreldraw" an, von dem man eine ältere Version vielleicht schon beim Kauf des letzten Druckers mitgeliefert bekam.
Die Aufgabenstellung beinhaltete also viele Anforderungen auf einmal, dazu kam die Bewältigung der neuen Technik. Aber die Teilnehmerinnen haben alle das Klassenziel erreicht und nicht nur aussagefähige und optisch attraktive, sondern auch für einen Webauftritt technisch brauchbare Seiten mit ihrem Angebotsprofil zusammengestellt. Jetzt müssen nur noch diejenigen, die bislang keine Domain haben, die entsprechenden Angebote studieren und dann eine eigene anmelden. Um die eigenen Seiten vom heimischen PC ins Internet zu stellen, muss man sie auf einen Server übertragen, wofür man - sofern man nicht doch mit FrontPage arbeitet - zunächst eine Testversion von WS FTP kostenlos für 30 Tage aus dem Internet herunterladen kann. Für die regelmäßige Pflege der Seiten braucht man dann die lizenzierte Version (Kostenpunkt ca. US$ 40).
Der Ehrgeiz, unsere Seiten noch weiter zu vervollkommnen, ist jedenfalls geweckt. Demnächst werden vielleicht schon die ersten Ergebnisse auf den eigenen Homepages zu bewundern sein. Genügend Tipps und Tricks dazu haben wir ja nun von kompetenter Seite erhalten!
Susanne Goepfert
Bereits durchgeführte Veranstaltung
7.-9.6.2002, Straelen
Anglophoner Tag:
"The World of Literature"
(in Zusammenarbeit mit weiteren Verbänden)
Straelen (sprich: Strahlen, es handelt sich um das berühmte rheinische Dehnungs-e) ist ein Städtchen am Rande unserer Republik mit mehr Blumen als Einwohnern (wie Organisations-Multitalent Reiner Heard betonte), Stammsitz des Tiefkühlspezialisten bofrost und heimlicher Mittelpunkt der world of literature. Diesen Mittelpunkt konnten wir am Freitagnachmittag besichtigen: Das Europäische Übersetzer-Kollegium Nordrhein-Westfalen in Straelen e.V.
Von außen eher unscheinbar versteckt sich das EÜK hinter einer hellgelben Fassade in einer gepflasterten Straße nahe der Kirche. Aber schon zwei Schritte hinter der Eingangstür geht es los. An allen Wänden entlang stehen Regale mit Büchern, 105 000 sind es zurzeit. Dr. Regina Peeters, Geschäfts- und Fremdenführerin des Kollegiums, erläutert die Geschichte, die Finanzierung und den Zweck der Einrichtung. Die öffentlichen Gelder schaffen einen Rahmen, in dem Literaturübersetzer aus der ganzen Welt arbeiten können. Sie finden Computer, Nachschlagewerke und kollegiale Unterstützung. 30 Appartements stehen als Wohnraum zur Verfügung, auch hier sind alle Wände mit Büchern voll gestellt. Da kann man in der Theologie schlafen oder bei den Russischen Werken. Und wer nachts dringend etwas recherchieren möchte, muss halt einen Kollegen wecken, um sich an seiner Bücherwand zu bedienen. Nicht immer bleibt es bei diesen ehrenvollen Absichten ...
Spätestens nach der Diskussion über die Vergütung von Literaturübersetzungen und die Ausführungen von Radovan Charvát zu dem Thema wissen wir, warum früher Übersetzungen in Klöstern verfasst wurden. Dort erwartete man nicht mehr als Gottes Lohn für die Bemühungen - und viel mehr gibt es auch heute nicht. Da ist es schon verständlich, dass im Übersetzerkollegium die Bibliothek zwar den Mittelpunkt, nicht aber das Herzstück der Einrichtung darstellt. Das ist wohl eher die Küche, in der das Weinschwein fleißig gefüttert wird, damit beim gemeinsamen Futtern auch das Nachspülen nicht zu kurz kommt. Welche Kreativität von Zeitnot geplagte und von knapper Kasse beschränkte, in babylonischer Ausnahmesituation befindliche Menschen abends noch in der Küche entwickeln können, ist im EÜK-Kochbuch "Über Seezungen" eindrucksvoll dokumentiert (siehe Rezension). Das Werk befasst sich, wenngleich am Rande, auch mit den Recherchebedürfnissen in Sachen Zutatenbeschaffung.
Über das Wie und Wo, besonders aber auch über das Warum der literarischen Recherche referierte Dr. Peeters am Samstagmorgen am Tagungsort. Wer sind Betty Crocker und Ty Cobb (in dieser Zusammenstellung eher ungewöhnlich), wer wirbt mit dem Spruch "Packen wir's an" und wann sollte der Übersetzer "Tesafilm" statt "Scotch-tape" schreiben? Die Botschaft hörten wir wohl, allein einigen Teilnehmerinnen fehlte der Glaube an die Notwendigkeit wochenlanger Recherchen zu einem Namen, dessen Bedeutung vielleicht allein deswegen im Verborgenen liegt, weil sie nicht existiert.
Ungleich eingängiger waren da die Ausführungen von Dr. Abdel Salam Ismail, der über die besonderen Probleme bei der Übertragung englischer und deutscher Literatur ins Arabische sprach. Der beabsichtigte Weckeffekt nach der Pause wurde durch den Vergleich von Übersetzungen und Frauen zwar erreicht (entweder schön, dann nicht treu oder treu, dann nicht schön), wäre aber gar nicht nötig gewesen. Das geneigte Publikum verzieh schnell und folgte den Ausführungen aufmerksam. Neben den allgemeinen lexikalischen und syntaktischen Problemen entstehen durch die ganz unterschiedlichen Kulturen besondere Probleme. Die Übersetzung der Worte "Schwarzbrot, Dauerwurst, Glatteis oder Türkenschwein" ist nicht in erster Linie lexikalischer Art. Vielmehr gibt es diese Dinge nicht im arabischen Sprachraum. Für Schwarzbrot oder Dauerwurst mag das nicht tragisch erscheinen, ja vielleicht noch nicht einmal bedauerlich sein. Aber was ein Türkenschwein sein soll, muss in der Übersetzung des Werkes "Ganz unten" von Günter Wallraff deutlich werden, ansonsten bleibt das Buch unverständlich. Anmerkungen, die in englisch-deutschen Übersetzungen möglichst unterlassen werden, sind hier an der Tagesordnung. Wird das Werk umfangreicher und bildhafter, wie König Lear, so schwellen die Erläuterungen auf die Länge von 47 Seiten an, die den arabischen Leser erst in die Lage versetzen, den Text zu verstehen.
Nach dem Mittagessen stand "Truths and falsehoods perpetuated by literature" auf dem Programm. Der etwas dröge Titel bereitete die nicht Eingeweihten, deren nicht viele dort vertreten waren, in keinster Weise auf die bühnenreife Darbietung vor, die Sally Lamm und Jadwiga Bobrowska zum Dessert servierten. Nach dem Quiz zur Reanimation der schläfrigen Hirnzellen räumten die Damen gnadenlos auf mit großen Lügen und kleineren Unwahrheiten aus der Literatur. Der Erfinder von Dracula war nie in Rumänien, tschechische Schriftsteller erfanden eine vergangene literarische Hoch-Zeit und legten so den Grundstein für "wieder-"erwachendes Selbstbewusstsein. Der immer wieder beschworene Londoner fog existiert schon lange nicht mehr und das Landleben scheint in eine eigene Daseinsform mutiert zu sein, die so nie war und heute schon gar nicht mehr ist.
Einen (k/b)ritischen Blick auf die Deutschen um 1900 gewährten Stellen aus "Three Men on the Bummel" von Jerome K. Jerome. Selbst stellenweise aufkeimende Selbsterkenntnis konnte die durchschlagende Heiterkeit nicht ernstlich gefährden.
Soweit befasste sich der Vortrag mit der allgemein zugänglichen Literatur und kann daher gefahrlos wiedergegeben werden. Aber dann kam Janice und plauderte über ein Erlebnis, das sie kürzlich mit ihrer Mutter hatte. Dies weiter zu erzählen verbietet die Höflichkeit, denn dem gemeinen Klatsch geben wir uns nicht hin. Nur so viel: Janice's Mum mag keinen Euro, keine Franzosen und wir denken noch drüber nach, ob wir sie wirklich mögen...
Die Nachfolge im Programm trat Sue Young an, die über "EU translation and jigsaw puzzles" referierte. Neben der Schwierigkeit, in Texten aus der Industrie die EU-Terminologie überhaupt zu erkennen und das festgelegte Vokabular zu verwenden, ergeben sich besondere Schwierigkeiten aus den oft aufgeblähten, umständlichen oder gar nebulösen Formulierungen der Ausgangstexte, z.B.: All fish exhibited a 100% mortality. Die FIGHT THE FOG Kampagne bekämpft diese sprachlichen Wucherungen und schlägt stattdessen vor: All the fish died. Das von Sue Young vorgestellte Buch "Translating for the EU institutions" ist, neben vielen anderen Hilfsmitteln und Websites, auf ihrem Hand-out zu finden.
Die Hölle und die Heinzelmännchen bemühte John D. Graham zum Abschluss des Tages, um über die "Localisation of literary texts illustrated by the translation of lyrics" zu sprechen. Während in der Bibel ursprünglich 25 verschiedene Worte für "Hölle" existieren, benutzt die englische Übersetzung nur ein einziges. Eine Unterscheidung verschiedener Höllen ist in unserer Sprache nicht mehr möglich. Die Übertragung des Heinzelmännchen-Gedichts ins Englische (für japanisches Publikum!) hingegen ist möglich - wenn man die Übersetzung am Rhythmus und am Reim festmacht. Der Beweis wurde vor Ort angetreten und war durchaus überzeugend.
Bei herrlichem Wetter am Sonntagmorgen brach ein Autokorso mit 15 der Teilnehmer des Anglophonen Tags in Richtung Bedburg-Hau bei Kleve auf. Nach einem kleinen Schlenker erreichte man das in einer schönen Parkanlage gelegene Schloss Moyland.
Auch für diejenigen, die keine Beuys-Anhänger waren, erwies sich die sachkundige fast zweistündige Führung durch die dortige ständige Ausstellung als recht aufschlussreich. Anhand einzelner Werke versuchte die gelernte Archäologin - wie sie sagte - die Tür ein bisschen aufzumachen. Sie erläuterte die Fett-und-Filz-Legende und die Form-und-Nichtform-Philosophie des Künstlers. Es wurde klar (bzw. bestätigt), dass man die Werke von Joseph Beuys ohne das nötige Hintergrundwissen nicht würdigen kann.
Mit vielfältigen neuen Erkenntnissen in beruflicher, sprachlicher und auch künstlerischer Hinsicht trat man dann am frühen Nachmittag die Heimreise an.
Jutta Profijt
Hier ein weiterer Bericht einer Teilnehmerin, der im "Netzblatt" des German Network ("GerNet") unseres britischen Schwesterverbands ITI erschien:
When the first notification of this year's Anglophoner Tag appeared, there was quite possibly a feeling amongst at least some members of the various translators' associations involved (ITI GerNet/DTT/ATICOM /BDÜ/IOL German Society) that the literary focus of the gathering might not be particularly relevant or interesting for them as non-literary translators, and that Straelen ("wherever's that??") was not necessarily a place they would be tempted to visit in the same way that Cologne or Berlin have attracted participants in previous years. I personally certainly set off for the weekend with both these thoughts in the back of my mind. But being a 'veteran' of four previous Anglophone Tage, I was confident that I would nevertheless come away feeling glad that I had taken part, enriched by the experience, and heartened by the renewal of contact with colleagues who, over a period of five years, have become friends. I can honestly say that in none of these expectations was I disappointed.
The actual theme of any Anglophoner Tag is of course significant, but its real value lies in the 'Kollegialität' engendered by its extra-curricular aspects: the anecdotal exchange of experience, enthusiastic sharing of knowledge, and sheer pleasure generated by stimulating social banter with like-minded fellow professionals persuaded to abandon their desks for a day or two and emerge into the 'real world'.
For the uninitiated amongst our readership, the aim of these gatherings is once a year to bring together fellow translators working with German and English at an attractive venue in either the UK or Germany, for purposes both professional and social. Five organisations are now involved in these events - no fewer than four separate German groups as well as our very own GerNet - and each organisation takes turns to act as host. This was the eighth Anglophoner Tag, and was organised for the first time, and with great efficiency, by ATICOM, a fairly recently founded 'newcomer' which seems to be already well established as a spin-off group operating confidently alongside the others. It will be GerNet's turn to host in 2004, whilst next year's venue and date are already fixed: Goslar next May (23 - 25). This will be organised by the DTT, and preliminary details can be found elsewhere in ITI's Netzblatt. Numbers attending these events vary considerably, but remain at a 'comfortable' level (i.e. 30 - 60), meaning that social contact is easy and friendships are rapidly established.
But enough of 'self-promotion'; to the detail of this year's meeting. Over a period of a day and a half, "The World of Literature" revealed to us a translation environment which many of us felt could almost be described as a parallel universe. Friday afternoon's tour of the EÜK took us down a Carrollian 'rabbit-hole' into a cocooned haven of intellectual bliss for those who delight in the combined agony and ecstasy of finding means of converting leading authors' masterworks into a form which allows them to be appreciated by readers who are not only speakers of another language, but also natives of another culture.
The EÜK was established in 1978, the eventual outcome of an idea dreamt up by a group of literary translators who met to share experiences and offer each other moral and practical support over the period of one weekend each year. They felt that this was not long enough, and drew up an ambitious proposal for a live-in centre with ample research facilities and a calm atmosphere, where literary translators from all over the world might come to work and live, free of charge. The proposal was submitted to all the Bundesländer, and it was the offer from Nordrhein-Westfalen of a base in Straelen which proved most attractive. Regina Peters, the centre's charismatic PR 'supremo' and library manager, explained to us with a wry smile that, given the size of the quaint little town and the range of distractions it has to offer, it was felt that translators living in Straelen would, quite simply, find little to divert them from the task in hand ...
And so the Centre came to fruition, formed by the amalgamation of a number of small adjoining cottages in the town centre. It normally houses about 20 translators at any one time, and certain sections of its 100,000-volume library have to be accommodated in each of the studio apartments in which the translators live. Another wry smile was evident as Dr Peters confided to us that the centre had been instrumental in the germination of a number of marriages ... and sadly one or two divorces as well.
Translators come to stay from all over the world (the Spanish and Italians apparently signalling their presence with a marked rise in decibel levels in the communal kitchen/dining areas!) and spend between 6 weeks and 2 months working on a specific project. Those applying for places must have published at least 2 works, but German need not be a featured language. Grants are awarded to 100 applicants from Eastern Europe and the Far East each year who would not otherwise be able to afford to attend.
Frequent reference was made to the low level of earnings of literary translators - publishers normally offer a rate somewhere between 18 and 28 DM (no euro price was mentioned) per standard DIN page (30 lines of 60 characters), with an absolute ceiling of DM 35. This covers the initial read-through as well as all proof-reading and corrections, and is usually only payable when the project is almost complete. A share of the sales revenue is rare, although increasingly sought after by members of the profession.
Feeling relatively well paid by comparison as commercial translators, we were left wondering what drives this sub-set of our profession to continue to pursue their chosen path, when it is clearly never going to be financially viable. Nevertheless one cannot but admire their selflessness and must be grateful that there are people who are prepared to continue to struggle to bring the enchantment of Harry Potter to children of all nationalities and enable important authors like Jung Chang to become known around the world.
Friday evening gave us an opportunity to debate our various viewpoints, and much else besides, over a meal in the very traditional Gasthof Zum Siegburger, where we were joined by colleagues who had not opted to take part in the tour of the EÜK earlier in the day.
On Saturday morning the 'formal' talking began (although the atmosphere of an Anglophoner Tag is never really 'formal'), with a few words of welcome from Reiner Heard, ATICOM's chairman, and an introduction, for those who had not already met her, to Regina Peters, who talked to us about the EÜK, focussing on the role of research in the task of the literary translator. No more than a few seconds had passed before she mentioned what a fundamental change had been brought about by the general availability of the Internet. It's hard to envisage a profession where the 'revolution' can have been more keenly felt or more gratefully received, given the infinite range of problem areas such as literary and historical references, place-names, brand-names, advertising slogans, book and song titles, obsolete or contemporary idioms, with which the literary translator has to contend in your average novel. One author cited as employing an 'above-average' range of such allusions is Günter Grass, but he is one of the few authors who takes an active interest in the translation process, to the extent of holding workshops where particular questions can be 'aired'. A far cry from other authors who apparently show not one iota of concern as regards the rendering of their work into other tongues, including several writers who, thanks to their translators, have become celebrities in countries other than that of the language in which their works were originally written.
One valuable resource to which Dr Peters drew our attention was Digitale Bibliothek, currently celebrating its 5th birthday. This Berlin-based company produces classic works of literature, and more, on CD-ROM (to quote their strapline - "CD-ROMs für Menschen, die Bücher lesen"). For further information visit www.digitale-bibliothek.de.
Next to take the podium was a practising Egyptian literary translator, Abdel Salam Ismail, who works from English and German into Arabic. Dr Ismail painted a rather gloomy picture of his calling in his native country, where the profession of literary translation is simply not recognised, and criticism frequently has to be endured from laymen who believe they could have done better. Dr Ismail drew our attention to specific problems presented by translation into Arabic, such as completely different punctuation conventions which mean that considerable rewriting of European structures is needed in order to render them elegant and acceptable. But he highlighted cultural differences as the greatest problem - the simple example of the concept of 'Glatteis' for an Egyptian readership put into a nutshell the kind of difficulty that has to be solved - along with the complexity of the different registers of German spoken today, using the example of a Wallraff novel which uses Hochdeutsch, dialect and Gastarbeiter 'pidgin' German, for which it is well nigh impossible to find any equivalent in Arabic.
A leisurely break followed, during which we enjoyed a sumptuous lunch in the dining room of the conference suite in the Hotel Straelener Hof, our base for the day. And plenty of time afterwards for coffee and a chat (yes, and a smoke for those who needed it) outside in the glorious sunshine.
The immediately post-prandial 'graveyard slot', as it was dubbed by its occupants, fell to the by now familiar duo of Sally and Jadwiga (Lamm and Bobrowska). They promised us a 'mixture of enlightenment and entertainment', as per usual, and this they delivered stupendously well as they regaled us with 'Truths and falsehoods perpetuated by literature'. With no thoughts of dozing off given a chance of entering our heads, we hurtled through fascinating reflections on the Essex background of Dracula, the surprising 'reinvention' of long-lost Czech literature, and England's unshakeable image of lush, green rurality surrounding a permanently fog-shrouded capital city, to name but a few stops along the way.
But the highlight of their presentation was for me the revelation, by way of illustration of their theme, of Jerome K. Jerome's sequel to "Three Men in a Boat", namely "Three Men on a Bummel". One might have thought this a spoof title dreamt up by our talented twosome for this event. But no. Unaware of the existence of this literary gem though I was before, I am now the proud owner of the little novel in question, and shall be purchasing numerous copies to send to friends around Europe (published in the bargain-priced Penguin Popular Classics series, I got mine for under 2 pounds through Amazon). If, dear reader, you are already acquainted with the sardonic style of the aforementioned tome, you have dispensation to move onto the next paragraph - I simply cannot resist quoting one or two extracts to demonstrate to the rest of you why I am so amused by Jerome's observations, penned in 1900.
On the law-abiding nature of the Germans: "In a German park I have seen a gardener step gingerly with felt boots onto a grass plot, and removing therefrom a beetle, place it gravely but firmly on the gravel; which done, he stood sternly watching the beetle, to see that it did not try to get back onto the grass; and the beetle, looking utterly ashamed of itself, walked hurriedly down the gutter and turned up the path marked 'Ausgang'."
On learning the language: "To Hanover one should go, they say, to learn the best German. The disadvantage is that outside Hanover, which is only a small province, nobody understands this best German. Thus you have to decide whether to speak good German, and remain in Hanover, or bad German and travel about. "
On their sense of orderliness: "In Germany there is no nonsense talked about untrammelled nature. In Germany nature has got to behave itself and not set a bad example to the children. "
After such a highly polished and entertaining presentation, the task of 'following on' fell to our own Sue Young. The title of her talk, "EU translation and jigsaw puzzles", was intended to 'tease'. She revealed that it was inspired by a comment made by a speaker at an EU workshop (GerNet member Keith Moffitt), that a passion for crosswords and jigsaw puzzles was a definite advantage in tackling the translation of EU texts. Sue found herself agreeing wholeheartedly and, being a devotee of both, it set her thinking, her thoughts subsequently being expanded into this very informative and helpful insight into this particular branch of our trade.
On the practicalities of obtaining work, she explained that most EU translation jobs are now placed via the Translation Centre in Luxemburg, and deadlines are often tight. It can be anticipated that the volume of into-English work will increase in future as enlargement leads to the adoption of 'relay translation', with English being used as the 'pivot' language for new Member States. This development will also, presumably, contribute to the current common problem of poor quality in an original text which may be authored in English or French, but not by a native speaker. The by now well-known "Fight the Fog" campaign promoted by the Commission Translation Service was initiated by Commission translators who were fed up with having to contend with over-lengthy, unclear texts and sought to convert the Eurocrats to the philosophy known as "KISS - keep it short and simple".
Sue pointed out that much EU translation work is related to law in some way, and so a basic understanding of the relevant instruments and institutions is vital. She cited a wealth of fundamental facts, and a few typical pitfalls to be avoided, and recommended a book written by Emma Wagner, Svend Bech and Jesús M. Martínez, "Translating for the European Union Institutions", details of which can be found on the very valuable sheet of information she distributed, including useful websites and book titles, which is reproduced here.
No Anglophoner Tag would be complete without an address of some kind in John Graham's lilting Scottish tones, and on this occasion he was to share with us his views on the nature of what we define as 'literature', and its localisation. He quoted to us Victor Hugo's assertion that 'the novel' to be defined as such must have a fixed focal point, be it a person, a date or an event, which is indeed an argument worthy of further contemplation.
But it was John's illustration of 'localisation' of literature which gave us greatest food for thought - and downright admiration. Almost in passing he mentioned that he had produced for a client an English translation of the renowned rhyming fable "Die Heinzelmännchen zu Köln" in order to clarify the background of the use of the name "Kobold" for a vacuum-cleaner manufactured by Vorwerk. I gather that at the present time he is negotiating publication of his translation elsewhere, so we cannot, sadly, reproduce his wonderfully witty, alliterative, imaginative verses here. But in the fullness of time I hope Netzblatt will have the opportunity of featuring it, for the delectation of the wider audience it undoubtedly deserves. It was a complete revelation to those of us who always imagined his special field was machine tools ...
The day ended with another highly enjoyable dinner at a different restaurant, and after-dinner drinks and conversation well into the balmy night (for those of us with the requisite staying power) at an outside café in the ancient market square. On Sunday morning there was an optional outing to Schloss Moyland, a neogothic castle not far from Straelen. I did not personally take part in this excursion, but I have it on good authority that it was a treat for garden enthusiasts, who delighted in the enormous park surrounding the castle and the extensive herb garden. The castle is used to host exhibitions, and the works of Joseph Beuys, demystified by a savvy guide, were there for the viewing by those who could drag themselves away from the sunny weather and horticultural diversions without its walls.
And so concluded another highly successful gathering. Many friendships refreshed, thoughts provoked, and experiences exchanged. And a mere eight months to wait until the next one!
Margaret Collier
Bereits durchgeführte Veranstaltung
27.4.2002, Köln
ATICOM-Fachseminar Kosten und Kalkulation
Der Zeilenpreis - eine unendliche Geschichte oder:
Kostenkalkulation für Übersetzer und Dolmetscher
Bin ich zu teuer? Bin ich zu billig? Wie hoch muss denn mein Zeilenhonorar oder Tagessatz sein? Wie erfasse ich meine Kosten, wie handle ich wirtschaftlich? Diese und andere Fragen trieben elf Damen und einen Herrn nach Köln ins Maternushaus, um dort von Andreas W. Schiemenz in die Kunst der Kostenkalkulation und Liquiditätsrechnung eingeführt zu werden. Ich gebe zu, mir hatte es ein wenig vor dieser trockenen Materie gegraust - unser Seminarleiter jedoch verstand es, sie logisch, übersichtlich und mit Humor gewürzt darzustellen.
Bevor wir zur Wirtschaftlichkeitsrechnung und Preisverhandlung kamen, wurde am Vormittag die Kostenrechnung behandelt. Zunächst sammelten wir, was Kosten eigentlich sind. Laut Wirtschaftslexikon fällt darunter alles, was man zur Erbringung einer Dienstleistung braucht, also auch der Strom für die Bürogeräte, jeder Quadratmeter Teppich im Arbeitszimmer, jede Büroklammer usw. Die Kosten, die bei der Kalkulation zu berücksichtigen sind, teilen sich auf in Kosten für die Erstausstattung (alles, was angeschafft bzw. gezahlt werden muss, um überhaupt der Arbeit als Übersetzer/Dolmetscher nachgehen zu können), sowie die Kosten der Tätigkeit an sich (Versicherungen, Verbandsbeiträge, Werbungskosten usw.) Nach einem Ausflug in die Frage, welche Möglichkeiten es zur Finanzierung der Existenzgründung gibt, erklärte Herr Schiemenz uns, was es mit Abschreibungen auf sich hat. Es wäre schön einfach, wenn man alle Kosten, die man z.B. in Verbindung mit der Existenzgründung hat, einfach dem Kunden in Rechnung stellen könnte. Diese Aufwendungen sind aber nicht mit den tatsächlichen Kosten identisch, die man z.B. durch den Kauf eines neuen Schreibtisches hat, da der Schreibtisch nicht direkt mit dem Kauf seinen Wert verliert - also steuerlich abschreibbar ist -, sondern erst über einen Zeitraum von 10 Jahren. Die Kosten für den Schreibtisch, die man zur Kalkulation der Kosten heranziehen und letztendlich auf den Kunden umlegen kann, betragen also nur die steuerlich absetzbare Summe für das Büromöbel.
Um alle tatsächlich anfallenden Kosten zu erfassen, ist die BWA, die betriebswirtschaftliche Auswertung, hilfreich, die der Steuerberater erstellt. In ihr sind alle Einnahmen sowie Ausgaben und deren Kostenstellen (die Stichpunkte, unter denen die verschiedenen Ausgaben gebucht werden) festgehalten. Sie ist die Darstellung der wirtschaftlichen Existenz des Unternehmens, das der Übersetzer/Dolmetscher betreibt, und sollte in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Die BWA unterscheidet fixe und variable Kosten. Fixkosten bleiben immer gleich, gleichgültig, ob oder wie viel der Übersetzer arbeitet, oder ob er gerade im Urlaub ist. Die variablen Kosten hängen mit der Tätigkeit zusammen und steigen mit zunehmendem Arbeitsvolumen an (je mehr Aufträge man hat, um so mehr telefoniert man.) Hier kam der erste wertvolle Tipp von unserem Seminarleiter: Alle Fixkosten so gering wie möglich halten. Man könne ja statt mit dem Ferrari auch mit dem Fahrrad fahren ... Die variablen Kosten stehen zwar nicht fest, lassen sich aber nach einer bestimmten Formel berechnen. Der Erfahrung nach liegen sie bei ca. 33 % des Umsatzes.
Nun wussten wir zwar, was wir alles zu berücksichtigen hatten, wenn wir wissen wollten, was wir zum Leben brauchen. Aber davon war noch kein Cent Steuer abgeführt, geschweige denn für die angenehmen Seiten des Lebens beiseite gelegt. Anders herum gefragt: Ab wann macht man Gewinn (vor Steuern)? Hier kommt der sogenannte Break-Even-Point ins Spiel, also der Zeitpunkt, an dem der Umsatz zum ersten Mal die Kosten deckt. Auch dieser lässt sich nach einer bestimmten Formel berechnen. Den BEP zu kennen ist wichtig, wenn man seinen Gewinn steigern möchte.
Da wir bis hierhin aufgrund der hervorragenden Erklärungen unseres Seminarleiters alles verstanden hatten und die Mägen noch nicht allzu laut knurrten, gab es noch einen Ausflug in die Steuern, Anmerkungen zur Rechnungsstellung und zur Liquiditätsrechnung. Hier bekamen wir den nächsten wichtigen Hinweis, dass ab dem 1.7.2002 auf allen Rechnungen die USt-Nr. sowie das zuständige Finanzamt angegeben werden müssen. Die Liquiditätsrechnung ist wichtig zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Mit ihr ist es möglich zu erfassen, wann welche Zahlungen zu erfolgen haben, und sie ermöglicht es, zu einem bestimmten Zeitpunkt die entsprechenden Geldmengen bereitzuhalten. Dies ist bekanntlich besonders wichtig im Januar, wenn alle Versicherungen gleichzeitig abbuchen. Kann man seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, ist man schlicht und einfach bankrott, unabhängig davon, ob man noch eine Rechnung über 100.000 EUR ausstehen hat oder nicht.
Hier wurden wir zum Mittagessen entlassen, aber nicht, ohne dass Herr Schiemenz uns für den Nachmittag konkrete Rechenbeispiele angedroht hätte. Trotzdem hat es wie immer gut geschmeckt, und die Tischrunden verliefen heiter und gelassen mit so manch gutem Kollegenplausch.
Nach der Mittagspause kamen die Zahlen an die Reihe, und damit einige Aha-Erlebnisse. Mit Hilfe der Berechnungsgrundlagen, die Herr Schiemenz uns am Vormittag erläutert hatte, erstellten wir eine realistische, aber knapp berechnete Kostenaufstellung, die sämtliche zu berücksichtigenden Posten enthielt, und gingen von einem Zeilensatz von EUR 1,20 aus. Die Ergebnisse sind so erstaunlich, dass ich hier die Zusammenfassung der Eckdaten wiedergeben möchte: