
1. Auflage 1992, Stuttgart und Dresden: Klett, 2 Bände, XXXIII + 1462 Seiten, gebunden,ISBN 3-12-517811-8, Preis DM 298,-
Dieses mittlerweile zwar nicht mehr ganz taufrische Werk mit einem Umfang von 18 684 englischen und 17 110 deutschen Einträgen überzeugt noch immer in mehrerer Hinsicht. Schmitt und seinen Mitarbeitern ist ein Wörterbuch gelungen, das man mit Gewinn und fast schon mit Genuss zur Hand nimmt. Mit Gewinn, weil man dort (nicht immer, aber doch oft genug) fündig wird, und mit Genuss, weil sich dieses Wörterbuch so wohltuend von dem abhebt, was man gemeinhin von Wörterbüchern gewohnt ist. Dies fängt beim übersichtlichen, benutzerfreundlichen Layout an und hört beim Abkürzungsverzeichnis und den 65 exemplarischen Abbildungen von Fahrzeugteilen und-aggregatennoch lange nicht auf. Das vorliegende Wörterbuch beschränkt sich auf Grundlagen und PKW-Anwendungen; Bände zur Nutzfahrzeugtechnik und zum Bereich Motorsport waren laut Vorwort geplant, sind aber bislang nicht erschienen.
Dass die Kfz-Terminologie in der Praxis recht uneinheitlich gehandhabt wird, davon kann man sich beispielweise durch einen Blick in Betriebsanleitungen verschiedener Automobilhersteller überzeugen: Motorraumklappe - Motorhaube; Instrumententafel - Armaturenanlage - Cockpit; abschließbares Ablagefach - Handschuhkasten; Reifenfülldruck - Reifenluftdruck usw. Dass ein Begriff mit zwei oder mehr Benennungen belegt ist, ist eher die Regel als die Ausnahme.
Das PONS-Fachwörterbuch trägt dem Rechnung: Die Fülle der berücksichtigten Synonyme regionaler (GB, US), hersteller- und textsortenspezifischer Art ist beeindruckend. Wiedergegeben werden nicht nur genormte Benennungen, sondern die vielfältige Sprachpraxis (von der Pressesprache über den Werkstattjargon bis hin zum wissenschaftlichen Sprachgebrauch). Beispiel für Synonyme in Einträgen: Expanderring; Expanderfeder; Spreizring; Flexfeder; Distanzfeder = expander spacer; expander ring; ring expander; spacer, spacer ring [practical]; oder engine block heater; cylinder block heater; block heater [colloquial] = Motorblockheizung; Kühlmittelvorwärmgerät [Mercedes-Benz]; Motorheizung [umgangsspr.].Man merkt, dass die Bearbeiter keine Wortlisten abgehakt und sich nicht mit dem erstbesten "Äquivalent" zufriedengegeben haben, sondern (das im Anhang aufgeführte, sehr umfangreiche und aktuelle) Quellenmaterial eines breiten Textsortenspektrums ausgewertet haben.
Dieses Wörterbuch ist beinahe ein Fachlexikon - beinahe, weil nicht jeder Eintrag, aber doch fast jeder dritte definiert oder erläutert wird. Wer den Unterschied zwischen Gurtstraffer, Gurtstrammer und Gurtklemmer, Gurtstoppernicht kennt, findet hier nicht nur die Übersetzung, sondern auch eine knappe Erklärung.
Es wäre müßig, Beispiele für Benennungen anzuführen, die das Wörterbuch nicht enthält, werden doch auch in der Kfz-Technik ständig neue Benennungen geprägt. Ebenso wichtig wie das Vorhandensein eines Eintrags ist jedoch die Verlässlichkeit des Gefundenen. Das heißt nicht bloß, dass die "richtige" Übersetzung angeboten wird, sondern auch, dass es dem Benutzer im Falle von Polysemie möglich ist zu klären, welche von mehreren angebotenen Übersetzungen denn nun die "passende" ist. Das Fachwörterbuch der Kfz-Technik ist dankenswerterweise strikt begriffsorientiert, und alle erfassten Polyseme sind nicht nur übersichtlich voneinander getrennt, sondern auch mit prägnanten semantischen Informationen zur Unterscheidung versehen. Die konsequente Verwendung detaillierter Sachgebietsangaben für alle Einträge hilft ebenfalls, Verwechslungen zu vermeiden. Ein Beispiel:
Füllscheibe, f (1)
(Kfz.Brems) (zwischen Druckstangenkolben und Primärmanschette)filter disc
protector washer
(Stützt und schützt die Primärmanschette, wenn das System unter Druck steht.)Füllscheibe, f (2)
(Kfz.Mot.2T) (im Zweitakter-Kurbelgehäuse)
padding disc
(Leistungssteigernde Einbauten im Kurbelgehäuse mit dem Ziel, das Kurbelgehäusevolumen zu verringern und damit die Kurbelkastenvorverdichtung zu erhöhen.)
Dank der Typographie bleibt die Übersichtlichkeit gewahrt. Der Benutzer kann sich davon überzeugen, dass die gefundene Benennung auch den Begriff bezeichnet, mit dem er es zu tun hat. (Nichts ist peinlicher, als einem unpassenden Homonym aufzusitzen, signalisieren solche Fehler doch, dass der Übersetzer blinder Wörterbuchgläubigkeit verfallen ist.) Der in gängigen Wörterbüchern noch verbreitete Minimalismus globaler Sachgebietskennungen ("Kfz") hilft dem Benutzer im Zweifelsfall wenig.
Eine anerkennenswerte, sozusagen vertrauensbildende Maßnahme stellt es dar, dass die Bearbeiter gelegentliche Übersetzungsvorschläge, die sie sich mangels Belegen im Quellenmaterial in einer Sprache selbst ausgedacht haben, entsprechend kennzeichnen (Schleppspriegel, Spriegel Nr. 2, Vorschläge: drag bow, idler bow, convertible top bow no. 2; Durchlademöglichkeit, V: long-cargo channel). Der Benutzer bleibt aufgefordert, Ausschau nach entsprechenden Belegen zu halten; das vermittelt im Erfolgsfall das freudige Gefühl der terminologischen Erstentdeckung (z.B. in einer Zeitschriftenanzeige: GM/Cadillac preist die Durchlademöglichkeit als pass-throughan).
Kennzeichnend für die Qualität dieses Wörterbuchs ist, dass sich nur unwesentliche Kleinigkeiten bemängeln lassen, die seinen Wert kaum schmälern: In einigen Abbildungen (11.1, 13.1 und 19.1) fehlen die letzten benummerten Abbildungselemente in der Legende; ganz selten führen Querverweise ins Leere (rotary piston oil pump > rotary oil pump); einige Einträge tauchen in der umgekehrten Sprachrichtung nicht auf (z. B. Abblendlicht > low beam).
Es enthält keine irrelevanten Fülleinträge, und bei Synonymen wird nicht jedesmal der ganze Eintrag wiedergegeben, sondern auf den Haupteintrag verwiesen (im obigen Beispiel [Füllscheibe (1)]: protector washer > filter disc). Letzteres erhöht freilich ab und an den Suchaufwand, lässt die einzelnen Bände dafür aber noch gut in der Hand liegen. Leider hat der Verlag das Wörterbuch nicht auch aufCD-ROM, und dann gleich mit einer Funktion für die Volltextsuche, herausgebracht - dies würde nicht nur ein schnelleres und bequemeres Arbeiten ermöglichen, sondern auch den Zugriff auf die Informationen in den mehreren Tausend Definitionen, Erläuterungen und Kontextbeispielen erlauben, die sich in der Buchausgabe nicht mal eben schnell durchsuchen lassen.
Fazit: Wer auf dem Gebiet der Kfz-Technik übersetzt, kommt um dieses nicht ganz billige, aber seinen Preis werte Wörterbuch nicht herum.
Rezensent: Klaus Leith