Presseberichten zufolge befürwortet Frankreich eine Aufwertung der deutschen Sprache in den Institutionen der Europäischen Union.
Wie es heißt, soll Frankreich dies als Kompromisslösung dafür angeboten haben, dass Deutschland auf ein höheres Stimmengewicht im Rat der Europäischen Union (in dem die Regierungen der 15 Mitgliedstaaten vertreten sind) verzichtet. Zurzeit haben z.B. Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien jeweils 10 Stimmen im Rat. Deutschland wollte aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl aber mehr Stimmen bekommen. Die Frage der Stimmgewichtung wird umso wichtiger, je mehr Entscheidungen der Rat der Europäischen Union künftig mit Mehrheit treffen kann.
Wie das Angebot einer Aufwertung der deutschen Sprache genau zu verstehen ist, ist unklar. Zwar berichten die französische und deutsche Presse, dass Deutsch "Amtssprache" der EU werden soll, das ist es aber bereits seit Gründung der (damals noch so genannten) Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in den fünfziger Jahren. Gemäß EG-Vertrag sind Amtssprachen mittlerweile alle elf Nationalsprachen der fünfzehn Mitglieder. Rechtsakte werden in allen diesen Sprachen veröffentlicht, jeder Bürger und jedes Unternehmen kann sich in einer dieser Sprachen an die europäischen Institutionen wenden (und erhält eine Antwort in derselben Sprache) und im Europäischen Parlament wird in Debatten in und aus allen diesen Sprachen gedolmetscht.
Die Arbeitssprachen sind demgegenüber nirgendwo vertraglich festgelegt. Jede Institution kann intern eine eigene Sprachenregelung treffen. So arbeiten die Dienststellen der Kommission intern fast ausschließlich mit Englisch und Französisch. Lediglich im Kollegium der 20 Kommissare (der Kommission im engeren Sinne) müssen Vorlagen für Entscheidungen in den drei so genannten "Verfahrenssprachen" Deutsch, Englisch und Französisch vorgelegt werden.
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