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       Pressespiegel
    zum Thema Dolmetschen, Übersetzen und Fremdsprachen



    2000-12-02

    Arbeitssprachen/Amtssprachen in den Institutionen der Europäischen Union

    Presseberichten zufolge befürwortet Frankreich eine Aufwertung der deutschen Sprache in den Institutionen der Europäischen Union.

    Wie es heißt, soll Frankreich dies als Kompromisslösung dafür angeboten haben, dass Deutschland auf ein höheres Stimmen­gewicht im Rat der Europäischen Union (in dem die Regie­rungen der 15 Mitglied­staaten vertreten sind) verzichtet. Zurzeit haben z.B. Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien jeweils 10 Stimmen im Rat. Deutschland wollte aufgrund seiner hohen Bevölkerungs­zahl aber mehr Stimmen bekommen. Die Frage der Stimm­gewichtung wird umso wichtiger, je mehr Entscheidungen der Rat der Europäischen Union künftig mit Mehrheit treffen kann.

    Wie das Angebot einer Aufwertung der deutschen Sprache genau zu verstehen ist, ist unklar. Zwar berichten die franzö­sische und deutsche Presse, dass Deutsch "Amtssprache" der EU werden soll, das ist es aber bereits seit Gründung der (damals noch so genannten) Europäischen Wirtschafts­gemeinschaft in den fünfziger Jahren. Gemäß EG-Vertrag sind Amtssprachen mittlerweile alle elf Nationalsprachen der fünf­zehn Mitglieder. Rechtsakte werden in allen diesen Sprachen veröffentlicht, jeder Bürger und jedes Unternehmen kann sich in einer dieser Sprachen an die europä­ischen Institutionen wenden (und erhält eine Antwort in derselben Sprache) und im Europäischen Parlament wird in Debatten in und aus allen diesen Sprachen gedolmetscht.

    Die Arbeitssprachen sind demgegenüber nirgendwo vertraglich festgelegt. Jede Institution kann intern eine eigene Sprachen­regelung treffen. So arbeiten die Dienst­stellen der Kommission intern fast ausschließlich mit Englisch und Französisch. Lediglich im Kollegium der 20 Kommissare (der Kommission im engeren Sinne) müssen Vorlagen für Entscheidungen in den drei so genannten "Verfahrens­sprachen" Deutsch, Englisch und Französisch vorgelegt werden.

    Quellen:
    "Paris et Berlin ont du mal à trouver une position commune sur l'Europe", Le Monde interactif, 28.11.2000
    "Tauziehen vor schwierigem Gipfel", Kölner Stadt-Anzeiger, 30.11.2000

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