Der schon 1999 aufgeflammte Streit um die Verwendung der deutschen Sprache bei bestimmten Treffen auf EU-Ebene ist nicht beigelegt. Auch Schweden, das im ersten Halbjahr 2001 den Vorsitz des Rates der Europäischen Union führt, will nicht bei allen Zusammenkünften ins Deutsche dolmetschen lassen, wie sich Mitte Februar herausstellte.
Auf mehreren Treffen unterhalb der Ministerebene, die im schwedischen Lund und Jokkmokk stattfanden, wurde nur ins Englische, Französische und Schwedische gedolmetscht. Die deutsche Regierung legte dagegen Protest ein und boykottierte diese Treffen mit der Begründung, dass bisher stets auch Deutsch angeboten worden sei und die deutsche Regierung nicht gewillt sei, eine Schlechterstellung des Deutschen hinzunehmen.
Zumindest für so genannte "informelle" Ministertreffen galt bislang, dass mindestens ins Englische, Französische und Deutsche gedolmetscht wurde (auf "formellen" Treffen wird ohnehin in alle elf Amtssprachen der Europäischen Union gedolmetscht). Finnland wich 1999 während seiner Ratspräsidentschaft jedoch von dieser Praxis ab und bot auf einigen informellen Ministersitzungen nur Englisch, Französisch und Finnisch an, woraufhin deutsche und österreichische Minister den Veranstaltungen fernblieben.
Nach Presseberichten soll die deutsche Regierung gegenüber Schweden angedeutet haben, dass sie allerdings bereit wäre, auf die Verdolmetschung ins Deutsche zu verzichten, wenn auch Französisch wegfiele.
Siehe auch unsere früheren Pressespiegel-Artikel:
EU-Gipfel: Regierungschefs bestehen auf Übersetzung (2000-12-15)
Arbeitssprachen/Amtssprachen in der EU (2000-12-02)