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    2002-01-12 Seitenmeister

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       Pressespiegel
    zum Thema Dolmetschen, Übersetzen und Fremdsprachen



    2002-01-12

    EU-Sprachendienste vor der Erweiterung

    Wenn nach der Erweiterung der Europäischen Union etwa ab 2004 bis zu zehn neue Amts­sprachen zu den jetzigen elf hinzukommen, werden die Sprachen­dienste der EU-Institutionen vermehrt auf freiberuf­liche Übersetzer und Dolmetscher zurückgreifen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

    Dies geschieht auch aus Kostengründen, da man hofft, den unvermeidlichen Kostenanstieg auf diese Weise etwas zu bremsen. Derzeit geben die EU-Institutionen rund 800 Mio. Euro im Jahr für Übersetzungs- und Dolmetschdienste aus, das sind zwei Euro pro EU-Bürger im Jahr.

    Radikale Lösungen zur Kostensenkung, etwa die Beschränkung auf einige Arbeitssprachen, dürften nicht durchzusetzen sein. Schließlich erlassen das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union und die Europäische Kommission unter anderem auch Vorschriften, die in der ganzen EU unmittelbar geltendes Recht sind. Alle Europäer müssen deshalb die Möglichkeit haben, sich über die Ausarbeitung und Verabschiedung solcher Vorschriften und über die Vorschriften selbst in ihrer Muttersprache zu informieren. Auch den nationalen Gerichten, die europäisches Recht berücksichtigen müssen, kann man nicht zumuten, mit Rechtsvorschriften in einer Fremdsprache zu arbeiten oder selbst erst für Übersetzungen zu sorgen.

    Vor besonderen Problemen stehen die Dolmetschdienste, denn bei mehr als 20 Amtssprachen gäbe es über 400 mögliche Sprachrichtungen, in die eventuell gedolmetscht werden müsste. Hier wird man sich mit "Relaissprachen" behelfen: Es wird nicht direkt von allen Sprachen in alle anderen gedolmetscht, sondern nur in eine bestimmte Sprache und aus dieser in die restlichen Sprachen. Dass darunter die Genauigkeit leidet, wird man aus praktischen Gründen in Kauf nehmen müssen. Erstens lassen sich nicht für alle Sprachkombinationen genügend qualifizierte Dolmetscher finden, zweitens würden die Dolmetschkabinen in den Sitzungssälen auch gar nicht für die vielen sonst nötigen Dolmetscher ausreichen.

    Quellen:
    "Übersetzer und Dolmetscher gesucht", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.1.2002
    "Nicht ohne meine Kopfhörer", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.1.2002
    Pressemitteilung IP/01/1869, EU-Kommission, 20.12.2001

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