Die Deutsche Telekom ist weiterhin Zielscheibe von Sprachschützern, die sich am Gebrauch englischer Wörter in sonst deutschsprachigen Texten des Unternehmens stören.
Auf der Telekom-Hauptversammlung am 28. Mai 2002 steht der Antrag eines Aktionärs auf der Tagesordnung, dem Vorstand die Entlastung zu versagen, weil das Unternehmen in Öffentlichkeitsarbeit, Konzerndarstellung, Werbung, Kundenkommunikation und innerbetrieblicher Kommunikation "übermäßig hohen Gebrauch von englischen Modewörtern und englisch-deutscher Sprachmischung" mache.
Als wichtigstes Kommunikationsunternehmen in Deutschland müsse die Deutsche Telekom eine Vorreiterrolle bei der Verwendung der deutschen Sprache einnehmen, sie falle aber eher negativ durch "ungeheure Wortübernahmen aus dem Anglo-Amerikanischen" auf. Vermieden werden sollten nach Meinung des sprachbewegten Aktionärs künftig Bezeichnungen wie "Customer Care", "Call Center", "Call by Call", "Call Back", "Call Agent", "Sunshine-Zeit", "Weekend-Service", "HappyDigits" usw.
In ihrer Stellungnahme dazu argumentiert die Deutsche Telekom, dass die Telekommunikation eine international ausgerichtete High-Tech-Branche sei, in der man sich auf "bestimmte Begrifflichkeiten geeinigt" habe, die hochkomplexe Technologien und Standards beschreiben. Man habe diese Bezeichnungen nicht erfunden, benutze sie aber, weil man sich damit in einer "allgemein akzeptierten Sprachwelt" bewege. Laut Telekom existierten dafür außerdem keine adäquaten deutschen Bezeichnungen und es wäre "fatal", wenn jedes Land versuchte, diese Standards in seine Landessprache zu übersetzen. Für die Telekom als "international aufgestelltes und agierendes Unternehmen" sei es darüber hinaus von "existentiellem" Interesse, auch auf dem Weltmarkt einheitlich aufzutreten.
Es ist nicht zu erwarten, dass dem Vorstand die Entlastung aufgrund dieses Antrags (oder eines der zahlreichen sonstigen, anders begründeten Anträge von Kleinaktionären) verweigert wird.
Vor einigen Jahren sah sich die Deutsche Telekom allerdings zum Einlenken veranlasst, als massiver Protest gegen Englischsprachiges auf der Telefonrechnung laut wurde. Bei den 1998 eingeführten Tarifbezeichnungen "GermanCall", "RegioCall" und "GlobalCall" wurde mit deutschsprachigen Erläuterungen nachgebessert. Findige Boykotteure hatten angedroht, den Rechnungsbetrag in englischen Pfund zu überweisen, solange sie keine verständliche Rechnung in der Landessprache erhalten.
Quellen:
Einladung zur Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG am 28.5.2002 in Köln, Gegenanträge
Neue Gesprächsarten bei der Telekom, Verein Deutsche Sprache
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