Dass es nicht nur mühsam ist und Kosten verursacht, wenn eine internationale Organisation mehrere Amtssprachen verwendet, sondern dass dies zuweilen auch äußerst nützlich sein kann, hat sich Ende November 2002 beim NATO-Gipfel in Prag gezeigt.
Der Präsident der Ukraine, Leonid Kutschma, war auf dem Treffen höchst unwillkommen, da die Ukraine verdächtigt wird, dem Irak Rüstungsgüter geliefert zu haben. Ausladen konnte oder wollte man Kutschma zwar nicht, aber man liess ihn zum Zeichen des Unmuts der USA und Großbritanniens zumindest nicht neben George Bush und Tony Blair sitzen, wie es nach der Reihenfolge der englischen Ländernamen der Fall gewesen wäre ("Ukraine", "United Kingdom", "United States").
Wie die FAZ berichtete, orientierte man sich bei der Sitzordnung kurzerhand an der alphabetischen Reihenfolge der französischen Ländernamen: Zwischen Kutschma (auch französisch "Ukraine") und Bush ("Etats-Unis") bzw. Blair ("Royaume-Uni") kam auf diese Weise noch eine ganze Reihe anderer Präsidenten oder Regierungschefs zu sitzen.
Quelle:
Schmuddelkind aus Kiew - Warum die Nato wegen Leonid Kutschma französisch sitzen musste, Horst Bacia, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2002
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